„Trump, liberate Hongkong…!“

Täglich sehen wir neue Fernsehberichte über einen veritablen Aufstand.
Nicht zum antifaschistischen Kampf in Bolivien – die dortigen faschistischen Usurpatoren werden von GroKo, GRÜNEN und FDP als aufrechte Demokraten gefeiert.

Aber in Hongkong. Von dort berichtet DER SPIEGEL im Stil des embedded journalism direkt, von tiefer Sympathie getragen und unter der Überschrift: Also müssen auch wir die Gewalt steigern.

In Hongkong jedoch spielt sich nicht der Kampf von Demokraten gegen autoritäre Kommunisten ab. Es geht um etwas völlig anderes.

Hongkong ist seit 1997 nicht mehr britische Kron-Kolonie. Das so genannte Überbleibsel des Kolonialismus wurde zu Recht beseitigt. Völkerrechtlich ist dieser zentrale Ort der globalen Finanzwirtschaft heute Teil der Volksrepublik China im Rang einer Sonderwirtschaftszone.
China nennt sich zwar seit 1949 und weiterhin Volksrepublik und steht unter Führung einer sich als kommunistisch bezeichnenden Partei. In der Realität ist China heute ein kapitalistischer Staat in seiner imperialistischen Phase. Zur Einschätzung Chinas: hier.

Im Konflikt um Hongkong spielen internationale, zwischenimperialistische Widersprüche eine entscheidende Rolle. Die Demokratiebewegung ruft völlig offen nach einer imperialistischen Einmischung und die westlichen Medien unterstützen das ebenso offen, so wie zB. der Hessische Rundfunk, in dem anklagend die Frage gestellt wurde, warum Europa, „der Westen“ usw. sich nicht stärker für die protestierenden Studenten einsetzt.

In solchen Kommentaren und Berichten herrscht die pure Heuchelei. Würden anderswo auf der Welt, zB. aktuell in
Bolivien, massenhaft Molotow-Cocktails gegen eine Regierung eingesetzt, würde darüber wohl kaum mit Sympathie und quasi live aus der Bombenbastlerwerkstatt berichtet.
Würden irgendwo anders, zB. in der BRD, Menschen auf dem Recht zum auch gewaltförmigen Kampf der Beherrschten gegen die Herrschenden oder gar gegen Faschisten bestehen – das würde sofort als Terror gebrandmarkt und zur Mäßigung aufgerufen – beider Seiten natürlich: derer, die über Panzer verfügen und derer, die Mülltonnen anzünden.

Es wiederholt sich hier die Situation auch der deutschen Linken, die 2014 mehrheitlich den neoliberal-faschistischen Putsch in der Ukraine als „Aufstand“ für „Europa“ begrüßte.
Daran war grundfalsch: es ging in der Ukraine 2014 nicht um Demokratie oder Europa, sondern um den Kampf der drei imperialistischen Größen EU, USA und Russland um das Aufmarschgebiet gegen Russland, nach der Devise des imperialistischen deutschen Geopolitikers Paul Rohrbach schon 1897: Wer Kiew hat, kann Russland zwingen!.
Gewonnen haben die USA.
Detailliert zur deutschen Linken im Ukraine-Konflikt 2014 hier.

Zudem herrschten und herrschen in der bundesdeutschen Linken, auch ihren radikalen  Gruppen, völlig opportunistische Illusionen über das imperialistische Staatenbündnis EU, das sich seit eh und je eben wie ein solches verhält.

Heute laufen die Protestierenden in Hongkong mit Transparenten herum, auf denen man Trump, liberate Hongkong liest, was hierzulande offenbar mit Sympathie wahrgenommen wird – natürlich aber auch der gebührenden Rücksicht auf die Geschäftsinteressen in China.

Alles, was die Protestierenden in Hongkong erreichen wollen ist, von anderen als ihren jetzigen Herrschenden regiert zu werden. Kein Wunder, daß die hiesigen und die US-Imperialisten das mit Sympathie sehen, auch wenn allen klar ist, daß niemand einen Krieg mit China um Hongkong riskieren wird. Jedenfalls jetzt noch nicht.

Es ist also alles zusammen eine riesige heuchlerische Scharade: den Protestierenden geht es nicht um Volksherrschaft (Demokratie), sondern bloß um andere Herrschende; die sie mit Sympathie Beobachtenden in den USA und der EU werden nicht für sie Krieg führen – und China braucht nur zu warten, bis dem Protest die Puste ausgeht. Bis dahin werden vermutlich noch viele Menschen sterben oder verletzt werden.

Und sollte sich wer auch immer die Illusion machen, die hiesige mediale Sympathie für Molotow-Cocktail werfenden Protest gelte auch hier, wenn es um Demokratie, Freiheit, Sozialismus oder gegen Kapitalismus und Nazis geht, wird sie/er schnell lernen: so war das nicht gemeint!

Es entspricht der Natur zwischenimperialistischer Konflikte wie aktuell dem um Hongkong, daß linke Kräfte weltweit weder die eine noch die andere Seite unterstützen dürfen. Auch nicht taktisch.

Linke, die dem Kapitalismus und Imperialismus wirklich ein Ende bereiten wollen, müssen ihre eigenen Strukturen aufbauen, Klarheit über ihre Lage gewinnen, sich weltweit vernetzen und gemeinsam für eine Welt ohne Kapitalismus kämpfen – also für den Sozialismus / Kommunismus.

Mit diesem Kampf aber haben die Trump-Fans in Hongkong gar nichts zu tun.

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.