Drohende Abschiebung einer Frankfurter Auszubildenden nach Afghanistan – verhindern!

Wie am Donnerstag bekannt wurde hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Asylanträge einer Familie aus Kabul abgelehnt und sie aufgefordert, binnen 14 Tagen das Land zu verlassen. Ein rechtliches Vorgehen gegen diesen Bescheid sei möglich, habe aber keine aufschiebende Wirkung.
Sadaf gehört zu Familie Amiri. Sie ist Auszubildende als Bauzeichnerin. In Kabul musste sie ihr Architekturstudium abbrechen, sie spricht sehr gut Deutsch.
Als sie am Donnerstag in ihrer Berufsschulklasse von der drohenden Abschiebung berichtete, waren ihre Mitschülerinnen und Mitschüler erschüttert. Sie beschlossen, diesen Vorgang nicht widerspruchslos hinzunehmen.
Sie formulierten einen Aufruf, der unten dokumentiert wird.

Die Schülerinnen- und Schüler-Vertretung (SV) der Philipp-Holzmann-Schule, an der Sadaf lernt, hat sich heute mit dem Fall beschäftigt und wird das Anfang der kommenden Woche erneut tun. Sie verurteilt die drohende Abschiebung und will Gegenmaßnahmen beraten sowie eine eigene schriftliche Stellungnahme veröffentlichen.

Die Bundesregierug rät bekanntlich allen Reisenden aus Deutschland dringend ab, Afghanistan zu besuchen. Wegen der Sicherheitslage. Wenn die Bundesminister/innen Steinmeier, von der Leyen oder de Maizière nach Afghanistan reisen, tun sie das in der Regel öffentlich unangekündigt und unter konspirativen Umständen. Wegen der Sicherheitslage.

Die gleiche Bundesregierung, die die Sicherheitslage in Afghanistan so einschätzt, daß dort weiterhin deutsche Truppen stationiert werden müssen und ihre eigenen Mitglieder nur unter strengsten Sicherheitsauflagen in dieses Land reisen läßt, schickt über das BAMF bedenkenlos Menschen in  genau diese Situation.

Offenbar ist für die Herrschenden in Deutschland Mensch nicht gleich Mensch.

Am Beispiel von Sadaf wird erneut und brutal deutlich: Abschiebungen nach Afghanistan sind ein Skandal, gegen den wir aufstehen müssen!

Hier der Text des Aufrufs aus der Klasse von Sadaf Amiri:

Philipp-Holzmann-Schule Frankfurt
Klasse 10 BZ

Keine Abschiebung von Sadaf Amiri und ihrer Familie nach Afghanistan!

Wir, die Klasse 10BZ der Philipp-Holzmann-Schule Frankfurt, sind entsetzt darüber, wie menschenverachtend der Umgang mit der Familie unserer Klassenkameradin Sadaf ist.

Wir möchten hiermit unseren Protest über die Entscheidung des BAMF ausdrücken und darauf hinweisen, wie grausam es ist, dass eine junge Frau mit großartiger Zukunftsperspektive aus ihrem Leben hier in Deutschland gerissen werden soll.

Wenn wir einen solchen Akt hinnähmen, würden wir dem allgemeinen Rassismus noch mehr Raum geben, wieder Fuß zu fassen.

Wir können es als Menschen nicht verantworten, daß eine in unserem Land integrierte Familie sehenden Auges zurück in den Tod geschickt wird.

Sadaf hat sich während der Zeit ihres Studiums an der Polytechnischen Universität in Kabul für Frauenrechte eingesetzt.

Ihr Bruder wurde als Soldat der afghanischen Armee von den Taliban entführt und der Familie gedroht.

Mit unserem Verständnis der Menschenrechte ist die Entscheidung, ihre Familie und sie in diese Situation zurückzuschicken, nicht vereinbar.

Die SV der PHS hat sich am 20.1. mit der drohenden Abschiebung beschäftigt und verurteilt sie.
Sie wird Anfang der kommenden Woche eine eigene Stellungnahme dazu veröffentlichen.

Wir fordern die Rücknahme des Abschiebebescheids für Familie Amiri!

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