„Andante an der Kante“ – von refugees, Braunkohle und Nazis

23. August 2015: Sinfonische Baggerblockade der Aktionsgruppe

23. August 2015: Sinfonische Baggerblockade der Aktionsgruppe „Lebenslaute“ in der rheinischen RWE-Wüstenlandschaft.

Eine Woche nach den hervorragenden Aktionen der Kampagne „Ende Gelände“ gegen den ökologischen, humanitären und volkswirtschaftlichen Irrsinn des Braunkohletagebaus im Rheinischen Revier setzte die Gruppe „Lebenslaute“ zusätzlich und in ausdrücklicher Solidarität zu den vorangegangenen Aktionen noch einen eigenen Akzent am selben Ort. Unter dem Motto „Andante an der Kante“ drang ein komplettes Sinfonieorchester mit Chor ungebeten in den Tagebau ein und stoppte dort mit musikalischen Mitteln und durch  die tanzende Anwesenheit von AktivistInnen auf einem Abraumförderband die gesamte Produktion für fünf Stunden. Auf diese Aktion hatten sich die Aktiven im Juni und in mehrtägigen Proben und Trainings direkt vor der Aktion am 23./24. August vorbereitet. Unterstützt wurden sie dabei von lokalen Initiativen. Aktionsberichte, Pressespiegel, Videos: hier.

Im Kerpener Ortsteil Manheim, einem von der Vernichtung durch RWE-Bagger bedrohten Dorf, trafen wir bei einer Kundgebung direkt vor unserer Aktion im Tagebau auf dort unerwartetes Publikum: Flüchtlinge aus Eritrea, die offenbar von der NRW-Landesregierung in Häusern untergebracht werden, Häusern, die von ihren bisherigen  BewohnerInnen angesichts des heranrückenden Tagebaus von RWE bereits aufgegeben werden mußten. Wie wir feststellen mußten: die refugees wußten nichts davon, daß auch sie demnächst ihren gerade gewonnenen Zufluchtsort wieder verlassen müssen, wenn die Bagger kommen. Es gab hier einen unmittelbar erlebbaren Zusammenhang zwischen der Frage des Umgangs mit refugees und dem Braunkohletagebau, der als Klimakiller Nr. 1 der Welt Mitauslöser von Klimawandel, Dürrekatastrophen und Überschwemmungen ist – und damit mittelbar für die massenhafte Flucht von Bertroffenen dieser profitverursachten „Naturkatastrophen.“ Ein profitgetriebener Wahnsinnskreislauf des destruktiven Umgangs mit Natur und Mensch – und im Mittelpunkt als Profiteur der Energiekonzern RWE und die von ihm gegenseitiger Abhängigkeit verbundene staatliche Politik: RWE-Werkschutz und Polizei standen uns darum auch gemeinsam in der Wüstenlandschaft des Braunkohletagebaus gegenüber.

In einem Interview mit der Zeitung der SDAJ Frankfurt „Our Cause“ habe ich mich bemüht, den politischen Zusammenhang von Klimakatastrophe, Flüchtlingsströmen, deutschen Nazis, „besorgten Bürgern“ und dem Problem des heutigen Antifaschismus herauszuarbeiten, der sich bekanntlich nach einer tiefen Krise der vergangenen beiden Jahre mitten in einer Reorganisationsphase befindet – so, wie sich mir das Ganze unter Frankurter Verhältnissen darstellt. Das Interview wird demnächst in einer gekürzten Version in „Our Cause“ erscheinen. Der ganze Wortlaut als pdf findet sich hier: Von Nazis, refugees und Braunkohle

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