Der Dreigroschenphilosoph und die Gänsefüßchen

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27. Januar 1945: Antifaschistische Marxisten-Leninisten befreien Auschwitz.

Nachdem ein anonymer Blogger sich über die Praxis der Anti-Nazi-Koordination Frankfurt (ANK) verbreitet hatte, hatte er auf der Seite der ANK eine Antwort erhalten, die ihm begreiflicherweise nicht schmeckt. Nun veröffentlicht er eine Replik, in der er anonym bleibt, mich aber persönlich, nämlich namentlich und beruflich, tja was? Für mit mangelnder Lesekompetenz behaftet erklärt, sich über Theologie lustig macht, mich als „ANK-Vordenker“ etikettiert. Ich habe keine Lust, auf diesem Level zu „diskutieren“. Das nützt niemandem irgendetwas.

Interessant ist aber der Kern seines Zorns. Was ihn wirklich ärgert ist, daß es in der ANK „Marxisten-Leninisten“ gibt. Der Dreigroschenphilosoph schreibt diese Worte lieber in Gänsefüßchen, so groß ist sein Bedürfnis nach Distanz zu diesem ihm offenbar widerlichen Begriff.

Es gibt in der ANK in der Tat Menschen, die sich wahrscheinlich als Marxisten-Leninisten bezeichnen. Das muß nicht legitimiert oder entschuldigt werden, ist nicht ehrenrührig oder irgendwie ansteckend, sondern es ist eine von vielen möglichen linken und antifaschistischen Positionen, die es historisch und aktuell gibt. Viele dieser möglichen Positionen sind in der ANK vertreten, und das wird auch so bleiben.

Denn ein Antifaschismus, der sich als erstes dadurch qualifizierte, daß er den Marxismus-Leninismus programmatisch ausgrenzt, wäre keiner: schließlich war es zB.  die von  überzeugten Marxisten-Leninisten geführte sowjetische Rote Armee, die den Hitlerfaschismus miltärisch entscheidend geschlagen und Auschwitz befreit hat.

Daraus folgt nicht, daß in der ANK lauter schreckliche Kommunist_innen versammelt sind. Aber es ist einfach so, daß dort bislang niemand das Bedürfnis geäußert hat, Gesinnungsprüfungen einzuführen.  Man muß nicht, aber man kann in der ANK von Positionen des revolutionären Marxismus aus antifaschistisch arbeiten.
Damit hatte bislang einfach niemand ein Problem.

Die Behauptung, es gäbe in der ANK Leute, nämlich besagte Marxisten-Leninisten, die sich, der Dreigroschenphilosoph wiederholt es sogar noch einmal, „faschistischer Mittel“ bedienten, bedeutet nichts anderes, als daß im Kopf des Dreigroschenphilosophen denkbar erscheint, es gebe eine mögliche Gleichheit der Mittel von Faschisten und ihren historisch wie aktuell entschiedensten Feinden. Das ist eine erstklassige Verharmlosung des tatsächlichen Faschismus. Warum sich weiter mit jemandem auseinandersetzen, der solch abergläubischen Vorstellungen anhängt?

Denn es ist zudem eine nicht besonders originelle Position. So lernt man das hierzulande weithin in der Schule, bekommt es von einem Großteil der Medien serviert.

Mit Antifaschismus hat das nichts zu tun. Es ist eine Position, mit der ich mich nicht weiter auseinandersetzen will. Das politische Milieu, aus dem der Dreigroschenphilosoph schreibt, trägt keine Palitücher, aber hängt offenbar seiner eigenen Variante der staatsoffiziösen Extremismustheorie an.

Wo ist da der Unterschied zu Kristina Schröder? Menschen, die so denken, kann und will ich von nichts überzeugen.

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Eine Antwort zu Der Dreigroschenphilosoph und die Gänsefüßchen

  1. hcs schreibt:

    Der Dreigroschenphilosoph jammert, daß seine Kommentare hier nicht mehr freigeschaltet werden. Ich wundere mich darüber, daß ihn das wundert. Ich jedenfalls würde jemanden, der sich in meinen Augen „faschistischer Mittel“ bedient, nicht zur Diskussion auffordern, sondern sie /ihn bekämpfen.
    Er wiederum ist offenbar jemand, der das anders sieht. Darum erübrigt sich für mich jede Diskussion mit ihm.

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