PEGIDA, Glaube, Liebe, Hoffnung. Eine Sprachuntersuchung von Hannes Bajohr und Gregor Weichbrodt

Was glauben, lieben, hoffen PEGIDAs, die Verteidiger des „christlich-jüdischen Abendlands“? Für eine Beantwortung dieser Frage haben Hannes Bajohr und Gregor Weichbrodt das erforderliche Primärmaterial in allen erreichbaren Internet-Äußerungen von PEGIDA-Aktiven über einen gewissen Zeitraum gesammelt und software-gestützt nach den drei christlichen Kardinaltugenden Glaube, Liebe und Hoffnung sortiert. Zu Inhalt, Methode und Ergebnis des Ganzen äußern sie sich in Form einer These hier und hier.

Im Ergebnis dieser Operation zu blättern ist eindrucksvoll, zB.

»Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
aber die Liebe ist die größte unter ihnen.«
— Paulus, 1. Brief an die Korinther, 13

»Ich glaube das ein Bürgerkrieg nicht weit weg ist.«
»Ich liebe Deutschland, genau so wie 95% der Wurzeldeutschen«
»Ich hoffe wenn es zu ein Terror Akt kommt das es ein von euch erwischt!!!!«

Das ist mehr als ein Schnappschuss des Geisteszustands jener „besorgten Bürgerinnen und Bürger“, die alle Probleme der deutschen Gesellschaft in irgendwelchen von außen hinzugekommenen Importproblemverursacher_innen, im Koran als „Betriebsanleitung des Terrors“ (Michael Stürzenberger) oder in „dem Islam„, der mit den Standards der westlichen Zivilisation unvereinbar sei, sehen. Wer einfach mal mitten hinein tauchen will: bitteschön, auf eigene Gefahr: hier.

Viktor Klemperer, Verfasser von „LTI. Notizbuch eines Philologen“ (Dresden 1946), wäre über eine solche Sammlung begeistert gewesen. Hier ist Stoff für viele Dissertationen. Nicht zuletzt wird es interessant sein, zu fragen, welche Übereinstimmung es zwischen dem PEGIDA-Sprech und den Sprachen anderer Milieus gibt, wie die gegenseitigen Abhängigkeiten entstanden sind und welche sozialen Prozesse diese sprachlichen Entwicklungen sichtbar machen und nachzeichnen lassen.

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