Unterstützung für PEGIDA und Nazis: Theoretiker eines angeblichen „Islamfaschismus“ in Frankfurt

Im Folgenden wird der Bericht des Frankfurter Antifaschisten Philipp Kissel veröffentlicht, der am gestrigen 20. Februar an einer Veranstaltung der „Giordano-Bruno-Stiftung“ teilnahm, um sie zu beobachten. Während sich die antifaschistische und antirassistische Linke in Frankfurt darauf vorbereitet, am kommenden Montag erneut Nazis und PEGIDA-Rassisten zu blockieren, verbreitet eine Organisation, die sich den Namen Giordano Brunos anmaßt, eine objektiv den PEGIDA-Rassismus samt seiner zahlreichen Nazi-Anhänger unterstützende Propaganda. Heidemarie Mund samt NPD, Autonomen Nationalisten, Freies Netz Hessen, Nationale Sozialisten Rhein-Main, die PI-Ortsgruppe Frankfurt, AfD, Freie Wähler usw. werden sicher dankbar auf die unten referierten Behauptungen von Mina Ahadi und Hartmut Krauss zurückgreifen und sich ihrerseits mit Verweis auf die politische und wissenschaftliche Kompetenz von Ahadi und Krauss ganz in deren Sinn äußern, was sie in der Vergangenheit ja schon des Öfteren getan haben – und gegenwärtig tun, wogegen Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstattet wurde. Das Verhalten von Mund, Ahadi, Krauss ist nichts Neues. Auch der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) muss das bekannt gewesen sein.
Zum aktuellen Zeitpunkt der Auseinandersetzung mit PEGIDA eine solche Veranstaltung anzusetzen ist eine direkte argumentative Hilfe von „links“ für den antiislamischen Rassismus, seit vielen Jahren ein entscheidendes Konvergenzfeld aller extrem rechten Gruppen mit der „Mitte der Gesellschaft“ in der BRD. Deshalb ist der Vorwurf einer Querfront an die Adresse der gbs völlig berechtigt.

Schlußfolgerung des Berichts: „Veranstaltungen von solchen rassistischen und revisionistischen Personen und Gruppen müssen in Zukunft verhindert werden, sie dienen der Volksverhetzung und machen Nazi-Ideologie hoffähig. … Dieser gefährlichen Entwicklung der faschistischen Bewegung muss eine klar antifaschistische, antirassistische, internationale Solidarität entgegengestellt werden.

Hier folgt der Bericht:

*Nazi-Ideologie hoffähig gemacht*

Am 20. Februar fand eine Veranstaltung der Giordano-Bruno-Stiftung Rhein-Main mit der Politikerin Mina Ahadi und dem Autor Hartmut Krauss mit dem Titel „Das hat mit dem Islam nichts zu tun“ statt. Die Veranstaltung im Bürgerhaus Bornheim verunglimpfte eine ganze Religion, relativierte den Faschismus und die Judenvernichtung, leistete rassistischer Nazi-Ideologie Vorschub und war unwissenschaftlich und volksverhetzend.

*Islam schlimmer als Faschismus*

Mina Ahadi sagte, der Islam sei „schlimmer als der Faschismus, weil er seine Ziele offen bekannt“ gebe, während der „Islamismus seelsorgerisch daher kommt, wie der Zentralrat der Muslime“ und sein Programm der Weltherrschaft nicht bekannt gebe. Der Islam wolle außerdem „noch mehr als der Faschismus, nämlich auch noch Strafe im Jenseits“ und er verbreite die Angst vor dem „Höllenfeuer“. Da „der Islam aber die weltliche Macht“ wolle und mit „Wissenschaft nicht zu knacken“ sei, wäre der „Kampf gegen den Islam noch schwerer als der gegen den Faschismus.“ Die Vorsitzende des „Zentralrats der Ex-Muslime“ bedauerte, dass der Faschismus klar negativ besetzt sei, während „dem Islam der Rote Teppich ausgebreitet werde“, durch die Islamkonferenz und Islamunterricht. Sie sagte, „Herr Maziak (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland) wird zu allem angehört. Die Diktatur des islamischen Wohlverhaltens ist in die deutschen Städte eingesickert. Die Scharia breitet sich aus, der Hijab breitet sich aus. Es ist keine Frage mehr, ob sich junge Mädchen verschleiern, sondern nur noch wie tief.“ Mina Ahadi, die bereits mit Udo Ulfkotte und anderen Rechtsextremen, unter anderem in Frankfurt mit den „Freien Wählern“ zusammengearbeitet hat, sagte, „die Gutmenschen und Kulturalisten versuchen die Brutalität des Islam als kulturelle Identität zu verharmlosen, dabei ist der radikale Islam schlimmer als der Faschismus. Er hat seit über eintausend Jahren Menschen unterdrückt und in Barbarei gehalten.“ Es sei nur konsequent, den Islam mit dem Faschismus gleichzusetzen, da er das Führerprinzip durchsetzt, ebenso wie der Faschismus das Ziel der Unterdrückung hat, keine Trennung von Staat und Recht kenne und wie der Faschismus nach der Machtergreifung autoritär sei. Ihr Hauptaugenmerk galt dem Iran. Dort sei die Herrschaft des Islamfaschismus besonders zu erkennen. Pluralismus und Individualismus seien ausgeschaltet, die „ganze Gesellschaft gleichgeschaltet“. Es gebe kein Privatleben mehr, es gebe Bücherverbrennungen und „ebenso wie bei Hitlers Nationalsozialismus“ gebe es „eine hierarchische Machtstruktur und antisemitische Ideologie“. Ihr Fazit, war deshalb, „wir müssen etwas gegen Religion machen, besonders gegen den Islam.“ Die Frage, ob nicht auch eine andere Interpretation des Koran möglich sei, verneinte Ahadi. Den Islam könne man nur bekämpfen.

*Islam als Vorbild für den Faschismus*

Als zweiter Referent sprach der als „Erziehungswissenschaftler“ auftretende und sich selbst „Marxist“ nennende Autor Hartmut Krauss. Er sagte zu Beginn seines Vortrags, dass der deutsche Faschismus in einem „vermittelten Erbschaftsverhältnis zum Islam“ stehe. „Der Islam“ sei „bei der Vernichtung von Menschen Vorbild für den Faschismus“ gewesen. Die „Gewaltpraxis im Namen des Islam sei vergleichbar mit dem Holocaust.“ Die frühislamischen Eroberungskriege seien mit Massakern, ethnischer Säuberung und Pogromen gegen Juden verbunden gewesen. Krauss zitierte den revisionistischen Historiker Egon Flaig mit der Aussage, „die antijüdischen Pogrome im Christentum bleiben hinter denen in islamischen Ländern zurück“. Die Versklavung durch den Islam sei größer als die im römischen Reich und größer als die durch christliche Länder, der Islam habe die meisten Menschen in der Geschichte versklavt, wie Flair in seiner „Weltgeschichte der Sklaverei“ ohne wissenschaftliche Belege behauptet. Krauss bezieht sich auch auf den US-amerikanischen Historiker Robert C. Davis, der eine fragwürdige Studie mit dem Titel „Christliche Sklaven, muslimische Herren“ veröffentlicht hat, in der er behauptet, dass in der frühen Neuzeit hunderttauende Christen durch islamische Sklavenhalter verschleppt worden seien. Krauss spricht ebenso wie Flaig von einem „islamischen Imperialismus“. Krauss behauptet, dieser sei für Millionen Tote verantwortlich und subsumiert darunter den Völkermord an den Armeniern, verschweigt aber, dass dieser von der türkischen Regierung mit Unterstützung des deutschen Kaiserreichs begangen wurde und nicht vom „Islam“. Auch die Massaker an hunderttausenden Mitgliedern der kommunistischen Partei Indonesiens, „dem Islam“ in die Schuhe zu schieben ist absurd. Sie wurden von der unter anderem von der BRD unterstützten Suharto-Diktatur ermordet. Krauss malt ein Bild eines „weltweiten Gewaltausbruchs durch dschihadistische Vorausabteilungen der islamischen Weltherrschaft“. Die „IS-Taten“ seien die „konsequente Umsetzung des Anweisungssystems des Islam“. Ebenso wie für Ahadi ist auch für Krauss, der Islam schlimmer als der Faschismus, da „die IS im Gegensatz zu den Nazis mit ihren Taten prahlen und sie ins Internet stellen“. Der Islam wolle das „Prinzip der Gottesknechtschaft“ verbreiten, habe „ein Blockwartsystem eingebaut“ und bedeute „Unterwerfung in jeder Hinsicht“. Ungläubige bekämen den Status von „Untermenschen“. Der Islam „war imperialistisch, kriegerisch, versklavend schon lange vor dem Faschismus.“ Krauss’ Verharmlosung des Faschismus gipfelte in der rassistischen Aussage, man solle dem Islam nicht mit Faschismus gleichsetzen, da das den Islam „entorientalisieren“ würde und damit der „Kultur, die den Islam hervorbringt aus der Verantwortung nehmen.“ Für Europa und Deutschland sieht er die dringende Notwendigkeit, eine „konsequente Strategie der Deislamisierung“ einzuleiten.

*Gefährliche Querfront bis zur autonomen „Antifa“*

Mina Ahadi, die Mitglied des Leitungsgremium der „Arbeiterkommunistischen Partei Irans“ ist, hat eine Scharnierfunktion zwischen Teilen der Linken, wie der „autonomen Antifa“ und rechtsextremen bis faschistischen Kräften wie Wolfgang Hübner von den „Freien Wählern“ oder Hartmut Krauss, einem offen revisionistischen „Wissenschaftler“, Udo Ulfkotte und anderen rassistischen Personen und Gruppen. Die Frankfurter autonome „Antifa f“, mittlerweile unter dem Namen „kritik&praxis“ aktiv, rief 2010 gemeinsam mit der „Arbeiterkommunistischen Partei Irans“ zum Protest gegen das „islamistische Regime“ in Iran auf, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Zusammenarbeit dieser Gruppe und Mina Ahadis mit Rechten bereits bekannt war. Veranstaltungen von solchen rassistischen und revisionistischen Personen und Gruppen müssen in Zukunft verhindert werden, sie dienen der Volksverhetzung und machen Nazi-Ideologie hoffähig. Während große Teile der ehemaligen „autonomen Antifa“ am 4. August 2014 eine Pro-Israel-Demonstration organisierten, veranstalten ihre Bündnispartner antiislamische eine Veranstaltung. Eine reaktionäre Melange, die dazu dient, den antifaschistischen und antiimperialistischen Kampf zu schwächen. Eine Regression der linken Bewegung sondergleichen, ein nicht unbedeutender Teil des Rechtsrucks in der Bundesrepublik. Die rassistischen Aufmärsche von Pegida bedienen sich der gleichen Ideologie. Diese wird seit Jahren von Sarrazin, Broder und andere Hetzern verbreitet. Dieser gefährlichen Entwicklung der faschistischen Bewegung muss eine klar antifaschistische, antirassistische, internationale Solidarität entgegengestellt werden.

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6 Antworten zu Unterstützung für PEGIDA und Nazis: Theoretiker eines angeblichen „Islamfaschismus“ in Frankfurt

  1. Walter schreibt:

    Seid ihr eigentlich noch ganz dicht? Habt ihr einen Todenhöfer gefrühstückt oder was?

    So was nennt man gewöhnlich: den Bock zum Gärtner machen! Da wird einer Frau, die vor einer faschistischen Terror-Religion flieht, die ihre Heimat und die Gesellschaft dort (und nicht nur dort) vergiftet, von irgendwelchen durchgedrehten Idioten als Faschistin bezeichnet, nur weil sie diese Religion kritisiert? Religionskritik ist kein Rassismus. Fehlen euch die fünf Gramm Gehirn das zu begreifen?

    Ihr habt echt nicht mehr alle Tassen im Schrank. Es zeigt sich mal wieder, dass Wissen begrenzt, aber die Dummheit grenzenlos ist.

    Ihr seid keine Antifa, ihr bereitet dem Faschismus den Boden!

    • hcs schreibt:

      hallo waltervondervogelweide,
      ja – die abendlandfans! kolonialismus, imperialismus, faschismus, shoah und auschwitz, nuklearwaffen – alles errungenschaften des abendlands.
      schon mal drüber nachgedacht? pegida-fans wie du sind sich dessen entweder nicht bewusst oder halten den von ihnen so genannten islamfaschismus anscheinend für schlimmer als alles das. sonst könnten sie schlecht „für das abendland“, was immer das sei, und gegen „den islam“, was immer sie sich darunter vorstellen agitieren. dabei kommen dann kooperationen wie die geschilderten heraus.
      die wirklichen konflikte in der welt spielen sich zwischen Oben und Unten ab, nicht zwischen ethnien, kulturen und religionen.
      faschismus ist eine form dieses kampfs – eine besondere herrschaftsform der bürgerlichen gesellschaft. so etwas wie islamfaschismus ist deshalb ein in sich sinnloser begriff, genauer, ein begriff, der von der klassenbasis des faschismus absieht und damit den historischen faschismus einschließlich des nazifaschismus verharmlost. das dient natürlich dann auch der selbstentlastung der fans bürgerlicher gesellschaften einschließlich ihrer faschistischen variante durch menschen wie du einer bist. und damit wollen wir in der tat nichts zu tun haben. geh zurück auf deine seite der polizeiabsperrung und sing mit heidi die deutschlandhymne.

  2. Gero Brück schreibt:

    Selbstbestimmung statt Gruppenzwang: Gegen Islamismus UND Fremdenfeindlichkeit

    Die Giordano-Bruno-Stiftung hat sich stets mit großer Entschiedenheit sowohl gegen Rassismus, Fremden- bzw. Muslimfeindlichkeit als auch gegen die Verteidigung/Verharmlosung reaktionärer Tendenzen innerhalb bestimmter islamischer Communities ausgesprochen.

    Diese Haltung kommt klar zum Ausdruck in unserem Positionspapier „Selbstbestimmung statt Gruppenzwang: Gegen Islamismus UND Fremdenfeindlichkeit“, das auch in Frankfurt ausgelegt wurde. Das Positionspapier ist auch im Internet verfügbar, siehe hierzu die entsprechende Meldung auf der gbs-Website.

    Menschen, die zu einem rigiden Freund-Feind-Denken neigen (was in einigen Antifa-Kreisen leider verbreitet ist), haben Schwierigkeiten, solch differenzierte Positionen nachzuvollziehen. Viele meinen offenkundig, man müsse entweder auf der Seite von Pegida ODER auf der Seite des Zentralrats der Muslime bzw. DITIP stehen.

    Das ist jedoch eine Fehlwahrnehmung. Das Problem der gegenwärtigen Debatte besteht darin, dass wir gleich mit zwei irrationalen Lagern zu kämpfen haben: Einerseits ist völlig klar, dass der Pegida-Bewegung fremdenfeindliche und nationalistische Positionen zugrunde liegen, die wir selbstverständlich in keiner Weise hinnehmen können.

    Andererseits müssen wir auch bei den Anti-Pegida-Demonstrationen Kritik anmelden, da diese die Gefahren des Islamismus und auch die rigiden, patriarchalen Normen in einigen (besonders frommen) muslimischen Communities unzulässig ausblenden. Die Realitätsverleugnung geht bei einigen Anti-Pegidaisten so weit, dass sie sogar behaupten, der islamistische Terror habe nichts mit dem Islam zu tun.

    Leider jedoch ist das, was wir „Islamismus“ nennen, keine „Perversion des Islam“, wie man oft hört, sondern eine weit verbreitete Lesart dieser Religion, die weltweit etwa ein Viertel der Muslime teilen und die man leider auch mit entsprechenden Zitaten aus den „heiligen Schriften“ untermauern kann. Totalitäre, faschistoide Verhältnisse findet man sowohl in den Hochburgen des sunnitischen Islam (etwa in Saudi-Arabien) wie auch des schiitischen Islam (etwa im Iran). Diese verhängnisvolle Tatsache muss man in einer offenen Gesellschaft ansprechen dürfen, ohne dafür ins „rechte Lager“ gerückt zu werden.

    Ich denke, dass die Veranstaltung in Frankfurt auf diesen Sachverhalt aufmerksam machen sollte. Übrigens handelte es sich dabei nicht um eine Veranstaltung der Giordano-Bruno-Stiftung, sondern um eine Veranstaltung einer unserer beiden gbs-Regionalgruppen in Frankfurt. (Hintergrundinfo: Die gbs-Regionalgruppen setzen sich nicht aus gbs-Stiftungsmitgliedern (Vorstand, Kuratorium, Beirat), sondern aus Mitgliedern des gbs-Förderkreis zusammen und führen ihre Veranstaltungen unabhängig von den Stiftungsverantwortlichen durch.

    Als Befürworter des Graswurzelprinzips lässt die Stiftung den Regionalgruppen größtmögliche Handlungsspielräume, nur in äußersten Notfall würden wir in die Autonomie der Gruppen eingreifen.)

    Da ich bei der Veranstaltung in Frankfurt nicht zugegen war, weiß ich nicht, ob die Argumente der Referenten im Antifa-Bericht richtig wiedergegeben wurden. Drei Aspekte sind jedoch klar:
    1.Weder Mina Ahadi noch Hartmut Krauss vertreten rassistische/faschistische Positionen, sondern haben sich in aller gebotenen Deutlichkeit von jeder Form von Rassismus/Faschismus abgegrenzt. Mina Ahadi hat zudem für Flüchtlinge aus islamischen Ländern mehr getan als wohl sämtliche Frankfurter Antifas zusammengenommen. Hierbei wurde sie auch aktiv durch die Giordano-Bruno-Stiftung unterstützt.
    2.Obwohl die gbs mit Mina Ahadi seit vielen Jahren erfolgreich zusammenarbeitet (so gelang es uns gemeinsam, ein „Recht auf Asyl für Ex-Muslime“ in Deutschland durchzusetzen, ist ihre Position in der Islamkritik keineswegs deckungsgleich mit der Position der gbs (dies trifft in ähnlicher Weise auch auf Hartmut Krauss zu). So schließt die gbs im Unterschied zu Ahadi/Krauss keineswegs aus, dass es humanistische Islaminterpretationen gibt, die sich unter gesellschaftlich günstigen Umständen durchsetzen könnten. Die unterschiedlichen Sichtweisen kamen 2013 bei der 2. Kritischen Islamkonferenz deutlich zum Vorschein, als Mina Ahadi das Positionspapier „Selbstbestimmung statt Gruppenzwang“ (s.o.) für den Zentralrat der Ex-Muslime nicht unterzeichnete (im Unterschied etwa zu Hamed Abdel-Samad, Necla Kelek oder Lale Akgün, siehe hier).
    3.Die Tatsache, dass Mina Ahadi und Hartmut Krauss in ihrer Islamkritik mitunter Positionen vertreten, die wir nicht teilen, bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir sie nicht als Referenten einladen könnten. Im Unterschied zu manchen Antifa-Gruppen laden wir eben nicht bloß Referenten ein, die unserer Meinung sind, sondern auch Referenten, die zum Teil deutlich andere Positionen vertreten, da wir die „produktive Streitkultur der Aufklärung“ wertschätzen. Dies wiederum ist keineswegs eine Besonderheit der gbs, wie sich leicht zeigen lässt: So referiere ich als vermeintlicher „Chef-Atheist Deutschlands“ regelmäßig auf Veranstaltungen der evangelischen oder katholischen Kirche, was natürlich keineswegs bedeutet, dass die Verantwortlichen der Großkirchen meine humanistisch-naturalistischen Überzeugungen teilen würden. Kurzum: Bei der in Antifa-Kreisen verbreiteten Denkfigur “Referent X spricht auf der Veranstaltung von Organisation Y, also teilt Organisation Y die Ansichten von Referent X” handelt es sich um einen logischen Fehlschluss, der zu dramatisch falschen Einschätzungen führen kann. Der Antifa-Bericht zur Veranstaltung der gbs-Regionalgruppe Frankfurt ist hierfür ein gutes Beispiel.

    Fazit: Wer ausgerechnet der Giordano-Bruno-Stiftung rechtes Gedankengut unterstellt, weiß offenkundig nicht, wovon er spricht. Denn wie kaum eine andere Institution in Deutschland wenden wir uns gegen rechte Gruppenideologien jeglicher Couleur. Chauvinisten findet man leider in nahezu jedem Lager, nicht nur bei Deutschnationalen, sondern auch bei fundamentalistischen Christen, Muslimen, Hindus etc.

    Daher wäre es fatal, wenn Antifaschisten die Realität des islamischen Faschismus (siehe IS, Saudi-Arabien, Iran etc.) verdrängen würden. Auch wenn die meisten Muslime in Europa faschistoide Interpretationen ihrer Religion ablehnen, findet der islamische Totalitarismus weltweit noch immer sehr viel mehr Anhänger als der islamische Humanismus.

    Man muss dieses Problem zur Kenntnis nehmen, um es gemeinsam mit liberalen, humanistisch gesinnten Muslimen lösen zu können.

    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Schmidt-Salomon

    • hcs schreibt:

      Guten Tag, Herr Schmidt-Salomon,

      ohne uns zu kennen, unterstellen Sie der ANK rigides Denken, Freund-Feind-Schemata usw. und dabei bekommen „Antifa-Gruppen“ auch noch gleich ihr Fett ab.
      Im von Ihnen kritisierten Beitrag geht es nicht um ein grundloses gbs-bashing. Die Stiftung ist uns bekannt. Umso schockierender ist es, dass die Rhein-Main-Gruppe der gbs sich mit Mina Ahadi eine Referentin leistet, mit der es in Frankfurt sehr negative Erfahrungen gibt. Bereits 2007/08 solidarisierte sich Frau Ahadi, die sich gerne pronociert als „Kommunistin“ vorstellt, mit den damals in Frankfurt reaktionärsten Islamhasser-Gruppen. Die damalige Moscheebaugegner-Initiative kooperierte mit den extrem Rechten von der seinerzeitigen Vorläufergruppe der heutigen Freien Wähler (die aktuell zum Kern der PEGIDA Frankfurt gehört). Sie lud zu einer Veranstaltung ein, an der neben Frau Ahadi auch Wolfgang Hübner (Freie Wähler) und der damalige Pressesprecher der Moscheebaugegnerinitiative teilnahm, ein Mensch, der unter dem Pseudonym „Hausener Bub“ auf dem Rassistenblog PI zum Aufbau einer Bürgerwehr gegen Muslime und zum bewaffneten Kampf zwecks Verteidigung des Abendlands aufrief. Das waren damals schon dieselben Töne wie heute bei PEGIDA, wenn etwa heute Frau Mund, die Sprecherin von PEGIDA Frankfurt, ganz im Sinn der Islamfaschismustheorie, den Koran mit „Mein Kampf“ gleichsetzt. (Koran-Bewunderer Goethe muss offenbar als Vorläufer dieses „Islamfaschismus“ angesprochen werden.) Frau Ahadi wurde damals von anwesenden BeobachterInnen der ANK gefragt, wie sie dazu komme, mit Rassisten und Nazifreunden auf demselben Podium zu sitzen. Sie beatwortete das in einer verblüffenden Art und Weise: „Der Hitlerfaschismus war gestern, der Islamfaschismus ist heute!“ war ihre Antwort, und sie weigerte sich auch, sich von den neben ihr sitzenden Figuren zu distanzieren.
      Das war und ist eine bewusste Entscheidung, die wir zu respektieren haben. Wer aus strategischen Gründen als „Kommunistin“ mit offenen Rassisten und Kooperationspartnern mit Nazis (wenige Tage später demonstrierte die NPD Hessen unter den Parolen der Moscheebaugegner in Frankfurt!) zusammenarbeiten möchte, wird üblicherweise als Exponent/in einer Querfront bezeichnet und von AntifaschistInnen massiv kritisiert. Frau Ahadi ist nicht unerfahren, sie weiss das und sie weiss, was sie bis heute tut, wenn sie zeitgleich zu den Auftritten der PEGIDA-Rassisten, die in Frankfurt zwischenzeitlich fast nur noch aus Nazis unterschiedlicher Organisationen estehen, nicht etwa gegen deren menschenverachtenden Rassismus Stellung nimmt, wie es sich für eine „Kommunistin“ gehören würde, sondern dem staunenden Publikum, noch dazu in diesem zeitlichen Kontext, was vom „Islamfaschismus“ erzählt.
      Und auch die gbs Rhein-Main ist ja nicht etwa unwissend oder naiv. Man kann dort googlen, man weiss mit Sicherheit um die Auftritte von Ahadi in Frankfurt (bei anderer Gelegenheit mit der stockreationären IGFM zusammen, deren Wurzeln bekanntlich in der Wlassow-Armee zu suchen sind).

      Wer bewusst mit Rassisten und Nazis zusammenarbeitet und das auch noch argumentativ „begründet“ wie seinerzeit Frau Ahadi, sollte so konsequent sein, sich nicht über antifaschistischen Protest oder Widerstand zu wundern. Dasselbe gilt für eine Gruppe, die einer solchen Politikerin ein Podium bietet.

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  4. Sascha schreibt:

    Ein kleiner Hinweis zum weiterrecherchieren: Als der SPIEGEL mit der Titelstory „Evolution widerlegt Rassismus“ kam, kam es auf der FB-Seite der „gbs“ zu entsprechenden Tiraden. Bereits vorher hatte ein besonders fanatischer „Aktivist“ bei der „Beschneidungsdebatte“ postuliert: „Natürlich kann es einzelne Schwarze geben, die intelligenter sind als ich. Aber im Durchschnitt sind Neger weniger intelligent als Weiße.“ Noch Fragen? Vielleicht schaut manj sich auch mal an, wie Muslime und Juden bildlich dargestellt wurden in dieser „Diskussion“ von besagter Milieugruppe. Interessant auch die indirekten Verbindungen zu PI: Die Aktivistin des sogenannten „Zentralrats der Ex-Muslime“, Ahadi, ist, bzw. war mehrmals Rednerin bei BPE, der „Organisation hinter PI“. Auch interessant: Ein Blick in das „Heilige Buch“ der Gruppe, dem sogenannten „Manifest“ und der Frage, wie man darin den Gedanken „Eliteherrschaft“ bewertet.

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