Für Oscar Arnulfo Romero (1917 – 1980)

Was ist denn Nächstenliebe anderes als Revolution…?
(Lied des Oktoberklubs der FDJ/DDR über Romero)

Vor 35 Jahren ermordeten Mitglieder einer Todesschwadron der salvadorianischen Militärjunta Óscar Romero, den Erzbischof von San Salvador. Nun verlautete aus dem Vatikan, dass sein Tod als Martyrium anerkannt worden sei – wichtiger Schritt zu seiner bevorstehenden Seligsprechung durch die römisch-katholische Kirche. „Der Vatikan anerkennt, dass man Romero nicht umgebracht hat, weil er fromm gebetet, theologisch korrekt gepredigt und sich den Armen fürsorglich zugewendet hat, sondern weil er der Prophet einer ‚realistischen Kirche‘ war, einer Kirche, die sich nicht mehr als ‚Machtinstrument‘ missbrauchen lässt, nicht mehr als Schachfigur im Spiel der Mächtigen fungiert„, kommentiert die hiesige „Christliche Initiative Romero“.

Romero stammte aus ärmlichen Verhältnissen, wurde aber auf Grund seiner Begabung in einer Jesuitenschule erzogen und konnte in Rom studieren. 1977 wurde er zum Erzbischof in der Hauptstadt seines Landes, San Salvador, ernannt.

Romero trat ursprünglich als deutlich konservativer Theologe und Kleriker auf. Aber in den späten 70er Jahren wurde er Zeuge, wie sich der salvadorianische Bürgerkrieg anbahnte: Eine halbherzige Agrarreform, gefolgt von gefälschten Wahlen im Februar 1977, Generalstreiks und beginnende bewaffnete Auseinandersetzungen der revolutionären Volkskräfte mit der Regierung der Oligarchen zwangen ihn, sich selbst zu positionieren. Romero näherte sich rasch den Positionen der bereits kräftigen lateinamerikanischen Theologie der Befreiung an, der er bis dahin kritisch gegenübergestanden hatte. Bereits 1968 hatten die in Medellín (Kolumbien) versammelten Bischöfe Lateinamerikas die Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils so interpretiert, dass die Kirche als Volk Gottes zu verstehen sei. Sie müsse sich identifizieren „mit den Leiden und Hoffnungen des Volkes, insbesondere der Unterdrückten. Aus diesem Grund ist es der Kirche auch bestimmt, sich als subversive Institution gegen eine Sozialordnung zu wenden, die auf Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Unterdrückung gründet.“ Als Romero sich in den folgenden Jahren immer offener für die Rechte der Arbeiter, Bauern, Armen und der politischen Gefangenen äußerte, beantwortete die regierende rechte Junta das auf ihre Weise. Der Erzbischof wurde am 24. März 1980 während einer Messe vor dem Altar erschossen.

Die bevorstehende Seligsprechung weist weit über eine rein liturgische Bedeutung hinaus. Papst Franziskus hat damit erneut in der spezifischen Sprache der katholischen Kirche seine grundsätzlich antikapitalistische Interpretation des Evangeliums bekräftigt. Auch für Menschen, die weder Christen noch Katholiken sind, ist das ein wichtiges und erfreuliches Ereignis. Das wusste schon vor fast dreissig Jahren der Oktoberklub. Ausserhalb seiner Kirche war Romero schon viel länger anerkannt, als in ihr.

(Der voranstehende Text wurde am 13.2.2015 in „Unsere Zeit“ veröffentlicht).

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