Fehlstart für „Fragida“, AfD und NPD

Kein guter Abend für den Frankfurter „PEGIDA“-Ableger. Als „Fragida“ geistert seit einigen Wochen bereits eine Facebook-Gruppe durch das Netz, als deren öffentlicher Sprecher der AfD-Aktivist Hans-Peter Brill auftritt.
Für den heutigen Abend, 5. Januar, hatte man das „Organisationsteam von Fragida“ konspirativ in das Restaurant „Zum Standesämtchen“ am Römerberg einladen wollen: reserviert war ein Tisch für ganze acht Personen. Das aber sickerte schnell durch und am Frankfurter Dom sammelten sich ab 18:30 insgesamt etwa 500 Gegendemonstrant_innen: eine breite Mischung aus sehr unterschiedlichen Gruppierungen und Milieus, die gemeinsam eins vorhatten – Fragida gleich von vornherein den Start zu vermasseln.

Ziel des Fragida-Treffens war es, eine Hallenveranstaltung in Frankfurt vorzubereiten, gleichsam als ersten Auftritt der Gruppe. Dass man sich eine Kundgebung oder gar Demonstration unter freiem Himmel ausdrücklich nicht zutraut, ist realistisch.

Am Nachmittag bereits war der reservierte Tisch im „Standesämtchen“ seitens des Eigentümers bereits wieder gekündigt worden, der offenbar keinen Ärger wollte.
Als die Gegendemonstrant_innen das bemerkten und sich rasch herumsprach, die Fragida-Rassisten säßen nun im Sachsenhäuser „Main-Plaza“ zusammen, zogen sie sofort dorthin und umringten das Lokal – unverständlicherweise betraten sie es nicht in großer Zahl, nachdem einige anscheinend für kurze Zeit sogar bereits im Inneren waren. Danach zog Bereitschaftspolizei auf und riegelte das Lokal ab, ohne die Gegendemonstration zu behelligen. Auf diese Weise konnte das „Fragida-Orga-Team“ genauer beobachtet und dokumentiert werden, saßen deren Aktive doch – dumm genug – direkt vor einem großen Fenster. So konnte auch festgestellt werden, daß nicht nur die Frankfurter AfD beim Aufbau der Fragida-Strukturen helfen möchten. Sie hat offenbar auch keinerlei Probleme damit, zu diesem Zweck mit der neofaschistischen NPD zusammenzuarbeiten. Deren stellvertretender Landesvorsitzender und Landesorganisationsleiter Stefan Jagsch saß dort mit Aktiven von AfD und Fragida-Willigen zusammen und plante den ersten Auftritt des Rassistennetzwerks, nach einiger Zeit abgeschirmt durch zwei Tischtücher, die das hilfsbereite Etablissement der Runde zur Verfügung stellte, um sie vor den Blicken der Öffentlichkeit zu schützen.
Die Gegendemonstrant_innen ließen diesen traurigen Verein denn auch unter sich und zogen über die nahegelegene Mainbrücke und am Fluß entlang bis zur Kurt-Schumacherstraße, der Konstabler Wache und die Zeil. Auf diese Weise nutzten wir den Abend für eine kraftvolle Anti-Fragida-Demonstration noch bevor dieser rechte Verein überhaupt in die Pantoffeln kommen konnte. Die Demonstration war gekennzeichnet durch Sprechchöre für das Beiberecht von Flüchtlingen und gegen Nzis und Rassisten. Sie verlief laut und gut gelaunt, die Polizei griff anscheinend nicht ein.

Daß die Kombination AfD / Fragida dumm genug ist, sich schon im Vorfeld mit der scheintoten NPD Frankfurt auf  Gespräche einzulassen, spricht für die Schwäche beider Kooperationsteilnehmer. Fragida glaubt offenbar, die NPD zu brauchen, was nicht gerade für großes Selbstbewußtsein spricht, die NPD träumt anscheinend krötenschluckend (Abendland??) von einer Art öffentlichem comeback in Frankfurt auf den Flügeln von Fragida.
Beides dürfte eine Fehlkalkuation sein: die Zusammenarbeit mit der NPD dürfte Fragida einiges an Sympathien in der „Mitte der Gesellschaft“ und deren rechtem Rand zugleich kosten. Und worauf sich die Fanatiker des antiislamischen Rassismus einstellen müssen, wenn sie ernsthaft versuchen, in Frankfurt eine Veranstaltung durchzuführen, hat der Abend ihnen vielleicht vor Augen geführt.
Es liegt jetzt an uns, für größtmögliche Breite und größtmögliche Entschlossenheit zu sorgen, um Fragida Geschichte werden zu lassen, bevor diese „Abendlandsverteidiger“ in Frankfurt öffentlich auftreten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Antifaschismus, Antirassismus, Internationalismus, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.