„Der Ukraine-Konflikt als Epochenzäsur“

Daniel Bratanovic und Sebastan Carlens haben einen lesenswerten Text zur Ukraine-Krise vorgelegt. Für die weitere Beschäftigung mit dem Thema ist er eine sehr brauchbare Ausgangsposition. Nachvollziehbar auch die Abgrenzung von den „Friedensdemonstrationen“, die allmontäglich über die Bühne gehen und für deren Zustandekommen die Autoren eine plausible Theorie liefern (S. 12).
Die These des Textes:

„Die Eskalation des Konfliktes um die Ukraine markiert den Beginn des Endes der nichtkriegerischen Neuverteilung Europas nach der Konterrevolution 1989-91. Es handelt sich um eine Zäsur, denn Russland kann dem westlichen Streben nicht mehr tatenlos zusehen, ohne daran zu zerbrechen, während die westlichen imperialistischen Mächte kaum noch eine stabile und langfristige Strategie zustande bekommen – die zwischenimperialistischen Widersprüche eskalieren zusehends. Der deutsche Imperialismus bescheidet sich längst nicht mehr mit Brocken der Beute, dieim Windschatten der USA abfallen, er agiert autonom und eigennützig. Vom Sturz des deutschen Imperialismus als konkretem und praktisch gewordenem Internationalismus sind wir weit entfernt. Selbst die Blockade von Rüstungstransporten oder die Sabotage von Waffenlieferungen in die Ukraine, in den Irak oder in irgendein anderes Land stehen außerhalb unserer Möglichkeiten. Es sind die Aufständischen im Donbass, die mit Söldnern, Neonazis und Landsknechten fertig werden müssen. Unter Eindruck dieser Umstände haben wir Strategie und Taktik zu beraten. Wir haben, nach Stand unserer Möglichkeiten, die herrschende Klasse anzugreifen, unseren Hauptfeind, den deutschen Imperialismus ins Visier zu nehmen. Jeder ihm zugefügte Schaden ist zu unserem Nutzen, jede Schwächung, die er erfährt, erleichtert unseren Kampf und den unserer Verbündeten, nimmt Druck von denjenigen, die durch seine Expansionsgelüste bedrängt werden. Die Debatte zur Einschätzung Russlands oder der Ukraine bleibt, wenn all dies nicht in Rechnung gestellt wird, eine theoretische Ersatzhandlung.“

Das zeigt sehr gut: es gibt eine linke und klare Position, die angesichts der Ukraine-Krise, der Errichtung einer Junta mit faschistischer Beteiligung weder in ein zögerliches Schweigen verfällt, wie fast der gesamte „antinational“ / „linksradikale“ Bereich,  noch ins Fahrwasser des Nationalismus wechselt, wie es relevante Teile Montags-Querfrontler tun.

PDF des ganzen Textes: scdb-thesen-final

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