Auflösungserscheinungen

Kürzlich hat sich – nach zuvor der ehemaligen Frankfurter antifa [f] – auch die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) mit einer Erklärung zu Wort gemeldet und bekanntgegeben, sie habe sich im August 2014 aufgelöst.
Der Niedergang der bisherigen antifaschistischen Bewegung setzt sich damit – zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt – fort: während die BRD-Regierung in der Ukraine Pro-EU-Faschisten unterstützt, im eigenen Land nach Kräften alles tut, um den NSU-Skandal – soweit es noch geht –  unter den Teppich zu kehren, Rassismus und Nationalismus einen neuen Aufschwung erleben und mit der AfD eine Partei agiert, die sich bewusst auf die Neue Rechte bezieht.
Eine theoretische und praktische Begründung, warum die ALB keinen anderen Weg als den der Auflösung sieht, fehlt weitgehend in dem völlig deskriptiv bleibenden Text: „Unseres Erachtens befindet sich die klassische Antifa-Bewegung in einer Krise. Auch hier müssen neue Perspektiven entwickelt werden. Der Rassismus der Mitte, der europaweite Erfolg rechter und rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen und auch der Sozialchauvinismus in weiten Teilen der Bevölkerung bedürfen neuer Ansätze und Antworten durch die antifaschistische Bewegung. …“ – ohne daß benannt würde, worin, in welcher Richtung, neue Ansätze zu finden sein könnten, und welche organisatorische Form sie finden müsse (wenn man von dem undeutlichen Verweis auf eine „postautonome Großorganisation“ absieht).
Insbesondere fehlt ein Hinweis auf die im mainstream der deutschen Antifa jahrelang systematisch selbst betriebenen Abbrucharbeiten in der Erkenntnis und Handlungsorientierung an grundlegenden antifaschistischen, antiimperialistischen, Klassenmachtverhältnissen und interationalistischen Zusammenhängen, deren Realität zB. im „Phase 2“-Antifaschismus zunehmend geleugnet wurde. Immerhin heißt es in der Auflösungserklärung dazu beschreibend: „Es bietet sich für die radikale Linke die Möglichkeit, an entscheidenden Fragen der Zeit zu intervenieren und größere Zusammenhänge – beispielsweise zu imperialer Politik, zum Militarismus des Westens, zu Neokolonalismus, zu Sozialchauvinismus und kapitalistischer Ausbeutung – zu erklären. Das haben wir – und viele andere – verpasst. Auch hier bedarf es neuer Ansätze, Aktionsformen und Diskussionen. Der Enthusiasmus, das Aktionswissen und auch die Fähigkeit, unsere Positionen in breiten Bündnissen auf weitere gesellschaftliche Akteure zu übertragen und damit gesellschaftlich wirksam zu werden, die wir in linksradikalen und antifaschistischen Bündnissen in den letzten Jahren etabliert haben, hätten wir hier intensiv nutzen müssen.

(Einen „antiautoritären Bezug“ auf „traditionelle marxistische Strategien“ bei Kritik an den Konzepten von „multitude und commons“ schlägt dagegen aktuell die Gruppe „Antifa Kritik & Klassenkampf“ (ex-campusantifa)  für die Diskussion eines Papiers der Ökologischen Linken für eine Neuausrichtung „sozialrevolutionärer Proteste“ vor.)

Mehr zum Thema unter „Die BRD und ihre Antifa“ und den dortigen Links

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