Wie es aber genausowenig geht…

… war am heutigen Samstag in Frankfurt zu erleben. Zur Demonstration „Krieg und Militär lösen keine Probleme“ (Aufruf) erschienen etwa 200 Menschen unterschiedlicher Gruppen. Entgegen vorheriger Absprachen waren trotzdem einige Nationalfahnen (Russsland, Syrien) zu sehen und wurden geduldet. Es existierte keine gewählte Demoleitung, die Streitfragen in der Demo schnell und kollektiv hätte klären können. Ebensowenig existierte eine Ordnergruppe, die gemeinsam gefasste Beschlüsse hätte durchsetzen können. Beides sind Versäumnisse, die sich, wie man sieht, rächen:  
Teilnehmer der Frankfurter „Montagsmahnwache“ pflanzten sich an der Hauptwache direkt neben dem Lautsprecher-LKW der Demo auf. Der Demonstrationsanmelder und Moderator wurde darauf hingewiesen und eindringlich gebeten, eine klare Distanzierung von dieserart Querfrontlern abzugeben. Das geschah nicht. Als die Mahnwächtler direkt und persönlich darauf hingewiesen wurden, sie seien hier nicht erwünscht, wurden sie zunächst schreiend vom Frankfurter Chef-„Freidenker“ verteidigt, der gleich in zwei Nationalstaatsflaggen gehüllt erschienen war. Im Verlauf des folgenden lautstarken Wortwechsels erklärte einer der Mahnwachentransparentträger, er habe mit den „beiden Verantwortlichen“ persönlich geklärt, daß sie hier sein könnten. Als diese darauf angesprochen wurden erklärten sie, das entspreche nicht der Wahrheit. Darauf hingewiesen, daß dann ja wohl Lügen über sie verbreitet würden, was doch wohl erst recht einen Verweis aus der Demo rechtfertige, geschah nichts. Viele TeilnehmerInnen wussten, wie zu bemerken war, nicht, wer da mit ihnen demonstriert. Der dezent angelegte Versuch der Querfrontler, sich als Teil der Friedensbewegung zu etablieren, ist heute in Frankfurt nicht verhindert worden, obwohl es leicht möglich gewesen wäre.
Vielmehr wurde am Schluss der Veranstaltung auf dem Römerberg vom Lautsprecherwagen herab ausdrücklich erklärt, die OrganisatorInnen seien „froh über jeden, der an der Veranstaltung teilgenommen“ habe. Das galt zwar vermutlich nicht für einen jungen Mann in Nazioutfit, der sich dort auch aufhielt, dies aber wohl auch nur, weil ihn anscheinend kein Verantwortlicher bemerkt hat.
Die Organisatoren der Demo gehen offenbar mehrheitlich von der Annahme aus, in der gegenwärtigen Lage müsse man jeden willkommen heißen, der zB. gegen die Kriege in Ukraine, Nahem Osten, Syrien und Irak toben, und scheuen den vermuteten Konflikt, den es, meinen sie, kosten könnte, dies auf klarer, also linker Perspektive tun zu wollen.
Nach meiner persönlichen Auffassung ist das eine Sackgasse. Gerechtigkeit und Frieden werden nicht herbeitoleriert, sondern müssen erkämpft werden – so breit wie möglich, aber auch so klar und so entschieden wie nötig.

Bei der heutigen Demo hat jedenfalls nach meinem Eindruck eine klare politische Grundlage ebenso gefehlt wie eine kollektiv verantwortete Leitung und der Wille, für gemeinsame Ziele auch entschlossen aufzutreten. Das muss in einer möglichen Auswertung dieser Kundgebung eine wichtige Rolle spielen.

Aus politischer Verschwommenheit, wie sie heute herrschte, resultiert erfahrungsgemäß nicht mehr, sondern weniger Resonanz und Breite. Eine alte Wahrheit lautet: wenn es schwierig wird – immer nach links. Und nicht in die „Mitte“.

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