„Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ – zu Georg Büchners 200. Geburtstag am 17. Oktober 2013

Zum 17. Oktober wird man sich in diesem Jahr Georg Büchners 200. Geburtstags erinnern. Seine wohl bekannteste Schrift, Der Hessische Landbote aus dem Jahr 1834, beginnt mit dem bekannten Ruf „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“.
Vier Jahre zuvor war eine Hungerrevolte in der Wetterau durch Truppen des Großherzogs von Hessen-Darmstadt niedergeschlagen worden, wobei es zum sogenannten „Blutbad von Södel“ gekommen war. Büchner hatte daraufhin in Gießen eine „Gesellschaft für Menschenrechte“ gegründet.
Der „Hessische Landbote“, unter dem lebendigen Eindruck lastender Unterdrückung der bäuerlichen Bevölkerungsmehrheit durch Adel und große Bourgeoisie ursprünglich von Büchner verfasst, wurde bereits vor seinem ersten Erscheinen zur Empörung seines Autors deutlich entschärft – durch einen Freund, Weidig, der zB. „Reiche“ durch „Vornehme“ ersetzte und damit die politische Richtung des Pamphlets entradikalisierte. Sie war nun antifeudal anstatt sich zugleich auch gegen die große Bourgeoisie zu richten.   Dennoch wurden natürlich alle verfolgt, die an der Abfassung, dem Druck und der geheimen Verbreitung des Landboten beteiligt waren und deren die Obrigkeit in Darmstadt habhaft werden konnte. Nach dem Anfang Juli 1834 in Offenbach erfolgten Druck kam es bereits im August zu Verhaftungen. Büchner selbst floh ins Ausland. Einer der Verhafteten, der strafversetzte Pfarrer Friedrich Ludwig Weidig, Bearbeiter und Autor zahlreicher Einschübe in Büchners ursprünglichen Text, starb später an den Mißhandlungen in der Haft, sein Tod wurde offiziell als Selbstmord dargestellt. An dieser Version wurde immer gezweifelt.
Der „Hessische Landbote“ ist die wohl radikalste politische Kampfschrift des Vormärz. Seine Argumentation läuft darauf hinaus, die Bauern zur gewaltsamen Revolution nicht nur gegen die politische Obrigkeit, sondern, in der ursprüglichen Intention Büchners, auch gegen die Reichen, also die politisch mühsam aufsteigende Bourgeoisie aufzurufen, womit sein Verfasser ein Vorläufer des linken und radikalen Flügels der bürgerlichen Revolution von 1848 wurde.  Indem der Text, wohl aufgrund der Bearbeitung Weidigs, mehrfach die Bibel als Grundlage seiner radikalen Forderungen heranzieht, entzieht er dem sich auf das „Gottestgnadentum“ berufende spätabsolutistischen Regime ausdrücklich die ideologische Legitimationsgrundlage und kehrt sie gegen die Machthabenden, die in der Tradition der französischen Revolution als Tyrannen gebrandmarkt werden.

Büchners Losung „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ ist zugleich ein frühes Zeugnis des revolutionären Internationalismus. Denn er zitiert damit eine Parole revolutionärer französischer Truppen, die beim Überschreiten der Landesgrenzen 1792 die Worte „guerre aux chateaux, paix aux chaumières“ auf ihren Fahnen trugen, sich also selber mit den Armen überall solidarisierten und nur die Reichen der von ihnen besetzten / befreiten Gebiete zu ihren Feinden erklärten – eine Vorfom der Losung „Proletarier aller Länder – vereinigt euch!“ von 1848.

Der Hessische Landbote (1834)

Krieg den Palästen“ – Ulrich Darsow gibt einen Überblick über die aktuelle Bedeutung Georg Büchners

Explanatio praecox“ – Jürgen Schneider über den aktuellsten Versuch, den Frühkommunisten Georg Büchner im Nachhinein zum harmlosn Sozialromantiker zu domestizieren.

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Eine Antwort zu „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ – zu Georg Büchners 200. Geburtstag am 17. Oktober 2013

  1. rutzel schreibt:

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