Neujahrsvergnügen. Von Wiglaf Droste (2012)

Neujahrsvergnügen I

Silvester gibt es reichlich Punsch,
an Neujahr zieht man einen Flunsch
und äußert zweie seiner Wünsche:
»Nie wieder, bitte, soviel Pünsche!

Und einen soll der Teufel holen:
den Erfinder solcher Bowlen!«
Der Kopf summt wie ein Bienenstock
Vom Alles-durcheinander-Grog

Der Kopf dröhnt wie ein Essensgong
Und repetiert den Endlos-Song:
»Hey, dicke Rüben, weiche Birnen,
was soll die Menschheit mit Gehirnen?

Die sind doch nur zum Wehtun da!
Ach, ob-la-di, ach, ob-la-da!«
So brummts im allerrauhsten Baß:
»Prost Neujahr! Auf den nächsten Spaß!«

Neujahrsvergnügen (2)

Nach dem Mißbrauch des Gebräues
Wünscht man sich: »Ein frohes Neues!«,
wünscht, daß wohlgelaunte Frauen
kompetent den Papst verhauen,

wünscht, daß alle FDPisten
sechs Fuß tief, in langen Kisten
ganz privat zur Ruhe finden,
gut bestreut mit Mulch aus Rinden;

daß die grünen Grauensgurken,
Stuttgarts Einundzwanzig-Schurken,
im Moralmorast ersaufen,
den sie gratis gut verkaufen;

wünscht den Chefs von allen Banken,
daß sie nur in jenen Kranken-
häusern liegen und krepieren,
die sie vorher »optimieren«.

Ja, das wünscht man sich hienieden:
Lebensfreude, Glück und Frieden.

(aus: junge Welt, 3.1.2012, S. 13)

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