Berliner SPD: Liebknecht – Luxemburg – Demo 2013 spalten!

Schlimmer geht immer.

Vor knapp hundert Jahren ermöglichte die revisionistische Sozialdemokratie den Ersten Weltkrieg durch die Zustimmung zu Kriegskrediten im imperialistischen Deutschland. Die (bald darauf ehemalige) SPD-Linke unter Führung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gründete daraufhin den Spartakus-Bund, wichtige Kraft in der Novemberrevolution von 1918, wenige Monate später die KPD, zu deren Gründungsmitgliedern auch Wilhelm Pieck gehörte. Rosa Luxemburg war Mitverfasserin des ersten Programms dieser Partei.  Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Sie und Liebknecht wurden am 15. Januar 1919 in Absprache mit der SPD-Führung durch präfaschistische Freikorps-Truppen unter dem Befehl von Waldemar Pabst, späterem NS-Funktionär und noch späterem Rüstungslobbyisten der Adenauer-Regierung der BRD, ermordet. Die Details dieses Vorgangs kann man in Klaus Gietingers Buch „Der Konterrevolutionär. Waldemar Pabst – eine deutsche Karriere“ nachlesen.
Seit acht Jahrzehnten gehen zum Gedenken an diesen konterrevolutionären Terrormord, würdig, Vorläuferaktion der Morde des NSU genannt zu werden, RevolutionärInnen und Linke in Berlin im Rahmen der LL-Demo auf die Straße. Darunter waren, warum auch immer, eigentlich ja erfreulich, einige SozialdemokratInnen, die sich mit Luxemburg und Liebknecht solidarisieren, gleichzeitig aber in der Partei der Mordmitverantwortlichen bleiben wollten. Niemand hinderte sie toleranterweise bisher daran. Man sollte niemandem leichfertig seine Privatwidersprüche absprechen, solange sie/er solidarisch und loyal an der gemeinsamen Sache mitzuwirken bereit ist.
Bis jetzt. Denn nun ist ihnen das offenbar zu wenig. Jetzt wollen sie nicht nur in der Partei der historisch Mordverantwortlichen an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht bleiben, was ja keine Kleinigkeit ist, denn das heißt zum Beispiel konkret: gemeinsam mit ihrem Gesinnungskameraden, dem sozialdemokratischen Haus- und Hof-Historiker Hans Ulrich Wehler den Mord an Liebknecht und Luxemburg bis heute rechtfertigen, sondern sie erheben auch noch gleichzeitig – und gegen die um Liebknecht und Luxemburg Trauerenden – den Anspruch, sie seien die legitimen Erben der ermordeten Revolutionäre.

Sie wollen die LL-Demonstration aktiv spalten, indem sie zeitgleich zur LL-Demo 2013 unter einem anderen Aufruf und an einem anderen Ort zu einer Demo „Für „Rosa und Karl“ aufrufen: die Organisationsnachkommen der Mörder duzen die historischen Opfer ihrer Partei kumpelhaft und spielen sich zugleich als „emanzipatorische Alternative“ zur LL-Demo auf.

Es ist typisch, daß sie als Begründung für diese Heldentat ihren Abscheu vor „Stalinisten“ auf der LL-Demo zu Protokoll geben, wofür sie zweifellos den Beifall von BILD sicher in der Tasche haben.
Sie bedenken sicher sehr genau, daß sie sich damit global von ganzen Generationen von Berliner und internationalen KommunistInnen und SozialistInnen distanzieren, ohne die es in der Tat die LL-Demo jemals weder gegeben hätte noch heute gäbe. Was ja zumindest für heute in ihrer erklärten Absicht liegt. Insofern sind die Initiatoren des Aufrufs objektiv im Geiste des Ebert&Noske-Flügels ihrer Partei tätig und damit in ihrer Spaltungsabsicht eigentlich recht konsequent.
Man könnte allerdings auch das Ansinnen, auf genau diesem Hintergrund nicht mit CDU und noch weiter rechts stehenden Fans der Freikorps zu einer Demo gegen die Begründerin und den Begründer der KPD aufzurufen, sondern stattdessen eine alternative LL-Demo zu organisieren, als Leichenfledderei und billiges Nachtreten gegen die Opfer von Ebert und Pabst bezeichnen. Käthe Kollwitz jedenfalls würde ihnen dafür möglicherweise nachdrücklich zu verstehen geben, daß ihr Platz nicht an der Seite der um Rosa und Karl Trauernden ist.

So etwas schafft wirklich nur der entsprechende Flügel der SPD-Jugend, und mit ihr verbündet der sehr zu Unrecht so genannte „antideutsche“, in Wahrheit erzdeutsche Flügel von ’solid. Ob dieser Verein sich sich bei der Gelegenheit auch gleich zur Waldemar-Pabst-Jugend umbenennen will,  das ist bislang noch nicht bekannt. Mit Liebknecht und Luxemburg haben sie jedenfalls nichts gemeinsam.

Und hier die UnterstützerInnen der rechten SpalterInnen-Demo: http://rosaundkarl.blogsport.de/unterstuetzerinnen

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