„Lebenslaute“ blockiert erfolgreich die Waffenfabrik Heckler & Koch

Neun Stunden lang ging gar nichts mehr: die Gruppe „Lebenslaute“ blockiert den Rüstungsbetrieb in Oberndorf am Neckar. Blockadekonzert am Haupttor vor Hunderten Zuhörer_innen

Heckler & Koch ist der bundesweit größte Hersteller von militärischen Kleinwaffen. Kleinwaffen (Revolver, Pistolen, Gewehre, Maschinenpistolen und –Gewehre) sind nach UN-Angaben die entscheidende Massenvernichtungswaffe moderner Kriege. Auf ihr Konto gehen mehr als 90% aller Opfer militärischer Auseinandersetzungen weltweit. Schätzungen besagen, daß ungefähr alle 14 Minuten weltweit ein Mensch von einer Waffe ermordet wird, die von Heckler & Koch oder in einem der Lizenzbetriebe zB. in Pakistan oder Saudi-Arabien hergestellt wurden.
Der Betrieb wurde vor genau 200 Jahren gegründet und stellte, abgesehen von zwei Unterbrechungen nach dem 1. und dem 2. Weltkrieg, ununterbrochen Kriegswaffen her. Als Gewehrfabrik „Mauser“ rüstete er Armeen in zig Ländern mit Infanteriewaffen aus. Seit den 50er Jahren produziert der Betrieb das Sturmgewehr G3, seit einigen Jahren das Gewehr G36, aber auch Maschinenpistolen, Granatwerfer und andere Mordsgeräte, die auf der Firmenhomepage voller Stolz beworben werden, als handele es sich bei ihnen um supertolle Waffeleisen oder Kochtöpfe.
Hundert Antimilitarist_innen aus der ganzen Bundesrepublik und Österreich haben alle fünf Werkstore des Betriebs am Montag, 3. September, von 4:30 bis 9 Uhr blockiert und ab 10 Uhr ein Konzert mit (nicht nur) klassischer Musik direkt vor dem blockierten Haupttor gegeben. Dabei wirkten ein (fast) komplettes Sinfonieorchester und ein Chor mit.
Die Aktion war Wochen vorher angekündigt worden. Die Werksleitung verweigerte jeden Dialog und ließ sich nicht blicken. Die wenigen Beschäftigten, die sich durch eine der musizierenden Blockaden drängten, bekamen Flugblätter, in den sie aufgefordert wurden, über die Umstellung der Produktion auf zivile Güter nachzudenken. Ein Kantinenwagen und andere LKWs wurden wieder weggeschickt und die Belegschaft eingeladen, außerhalb des Werkstors mit den Antimilitarist_innen zu essen und zu diskutieren.
Die Polizei, darunter eine BFE-Einheit und der Werkschutz wirkten angesichts der in Konzertkleidung und mit zahlreichen Musikinstrumenten blockierenden und musizierenden Antimilitarist_innen irritiert und verzichteten auf Räumungsmaßnahmen. Während des Konzerts vor dem Haupttor erklang unter anderem Georg Friedrich Händels Arie, die der ganzen Aktion das Motto gab: „Waffenhandwerk schafft nur Unheil“, aus dem Oratorium „Das Alexanderfest“, außerdem Stücke von Shostakovich, Weill, Pasquay, Klan, Janacek, Schütz und anderen, sowie die Lieder „Voices, Thats All“ von Chumbawamba und „Guantanamera“.

„Lebenslaute“ hatte sich auf diese Aktionen dezentral und im Juni während eines gemeinsamen Wochenendes in Kassel auf die Aktion vorbereitet. In den Tagen vor der Aktion trafen die Aktivist_innen sich zu einigen gemeinsamen Vorbereitungstagen in Villingen-Schwenningen, wo sie mit der Hilfe der VoKü „Maulwurf“ aus Freiburg und zahlreichen Aktionsunterstützer_innen letzte Vorbereitungen trafen und am Sonntagabend ein Vorkonzert in Villingen absolvierten. Dabei konnten wir auf die Gastfreundschaft der Kirchengemeinden in beiden Ortsteilen bauen, die Räume und sonstige Infrastruktur zur Verfügung stellten.

Die Gruppe verbindet seit 26 Jahren klassische Musik und politische Aktion. Mit öffentlich angekündigten, aber grundsätzlich nie angemeldeten Aktionen zivilen Ungehorsams werden an Orten, wo es nicht erwartet wird, den Alltagsbetrieb blockierende oder behindernde Konzerte gegeben: auf Atommülldeponien, Feldern mit gentechnisch modifizierten Nahrungsmitteln, Truppenübungsplätzen, Militärflughäfen, vor Abschiebebehörden und nun vor der Waffenfabrik Heckler & Koch.

An der Aktion nahmen drei Antimilitarist_innen aus Frankfurt teil. Es ist daran gedacht, wie in anderen Städten auch eine Regionalgruppe von „Lebenslaute“ in der Rhein-Main-Region aufzubauen, um gemeinsam musikalisch und aktionspraktisch zu üben und in der Region ähnliche Aktionen durchzuführen. Wer Interesse daran hat, als Musiker_in, Sänger_in oder Aktionsunterstützer_in mitzumachen, kann sich gerne melden – wir freuen uns über alle!

Link der Gruppe Lebenslaute (Aufruf, Pressemitteilungen von der Aktion, Fotos, Pressespiegel; Berichte von den Aktionen in vergangenen Jahren): http://www.lebenslaute.net

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Antiimperialismus, Antimilitarismus, Gesellschaft, Kultur abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu „Lebenslaute“ blockiert erfolgreich die Waffenfabrik Heckler & Koch

  1. Bayern CS schreibt:

    Sehr coole Aktion. Meinen Respekt!

    LG,
    Rudi von Werkschutz München

Kommentare sind geschlossen.