Imperialismus aktuell, oder: Vom Töten der Mutti.

Gemäß der klassischen Imperialismustheorie , deren Ansätze sich bis zu Marx zurückverfolgen lassen und die sich über Lenin und Luxemburg bis zu Harpal Brar und anderen entwickelt hat, besteht der Kern, die grundlegende Herrschaftsform einer als imperialistisch bezeichneten Gesellschaft darin, daß die im Unterschied zum Kapitalismus der freien Konkurrenz herausgebildeten und ökonomisch dominierenden industriellen Monopole und das Bankkapital miteinander zum Finanzkapital verschmelzen und als solches den bürgerlichen Staatsapparat durchdringen und umgekehrt.
So wird denn ein ehemaliger Bundeskanzler GazProm-Chef, ein FRAPORT-affiner hessischer Ministerpräsident Bilfinger&Berger-Vorsitzender, ein Außenminister Industrie-PR-Berater usw. (Das ist natürlich nur ein Teil des imperialistischen Herrschaftsverhältnisses und nicht seine Totalität).
Gemessen daran ist Deutschland ein imperialistischer Staat, sogar einer der mächtigsten, was einige ja schon kenntnisreich seit langem behaupten. Den gefühlt zehnmillionsten Beleg dafür liefert gerade die Veröffentlichung von Mails des früheren Chefs von Morgan-Stanley Deutschland, Dirk Notheis, an den ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Mappus. Bis hinein in die Abfolge von Tagesordnungspunkten beriet Notheis seinen Mappus in Form von Tipps, die letzterer nicht ablehnen konnte.
Den Finanzminister werde der doch wohl im Griff haben? Na eben. Dann brauche er ihn auch nicht vorab zu informieren.
Und so weiter. Und Notheis machte ihm Mut. Als Mappus wohl mal die Courage verließ, ob er sich mit den Notheis’schen Zumutungen denn auch gegen Angela Merkel durchsetzen könnte, tröstete ihn der Morgan-Stanley-Pate: mit den von ihm kontrollierten Delegierten beim nächsten CDU-Parteitag könne er die von ihm in seinen Mails so genannte Muttitöten„.
Naja. So schlimm kam es nicht. Mutti bekam ja sicher ihrerseits auch hilfreiche Beratungs- und Hinweis-Mails. (Was heißt hier eigentlich: bekam?). Jedenfalls: das wird sich irgendwie ausgeglichen haben / ausgleichen.
Die Branche ist natürlich sehr empört über solchen Machenschaften.
Bzw., daß darüber berichtet wird: „So macht man Geschäfte nicht. Und wenn es dann auch noch rauskommt, umso schlimmer“ kommentiert ein Frankfurter Banker kompetent, kenntnisreich und bestimmt auf der Basis eigener Erfahrung.
In Richtung von Notheis fällt das böse Wort, er solle „abgeschoben“ werden. Oha. Hier zum SZ-Artikel zur Sache.

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