Aus gegebenem Anlass: Germans to the Front!

Eine große Aufgabe harrt eurer: ihr sollt das schwere Unrecht, das geschehen ist, sühnen. Die Chinesen haben das Völkerrecht umgeworfen, sie haben in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit des Gesandten, den Pflichten des Gastrechts Hohn gesprochen. Es ist das um so empörender, als dies Verbrechen begangen worden ist von einer Nation, die auf ihre alte Kultur stolz ist. Bewährt die alte preußische Tüchtigkeit, zeigt euch als Christen im freudigen Ertragen von Leiden, mögen Ehre und Ruhm euren Fahnen und Waffen folgen, gebt an Manneszucht und Disziplin aller Welt ein Beispiel […]
Ihr sollt fechten gegen eine gut bewaffnete Macht, aber Ihr sollt auch rächen, nicht nur den Tod des Gesandten, sondern auch vieler Deutscher und Europäer. Kommt Ihr vor den Feind, so wird er geschlagen, Pardon wird nicht gegeben; Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in Eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bestätigt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen. Wahrt Manneszucht. Der Segen Gottes sei mit euch, die Gebete eines ganzen Volkes, Meine Wünsche begleiten euch, jeden einzelnen. Öffnet der Kultur den Weg ein für allemal! Nun könnt ihr reisen! Adieu Kameraden!

Nein. Das stammt nicht von Bundespräsident Gauck, dem obersten Feldprediger der Nation. Trotz des blasphemischen Bezugs auf das Christentum. Das ist der Auszug aus der berühmten Hunnenrede Wilhelms II. vom 27. Juli 1900 in Bremerhaven.
Nur zur Erinnerung: schon damals – heuchlerischer Bezug auf das Völkerrecht als Bemäntelung imperialistischer Interessen, Mißbrauch des Christentums als Kriegslegitimationsideologie und aufgeblasenes kultuelles Überlegenheitsgeschwalle. Ein Hinweis auf die historische Verlängerung dieser Linie in Gestalt der Militärseelsorge, dieses Gegenstück zum Reichskonkordat zwischen Reichskanzler Hitler und dem Vatikan 1933, ist an dieser Stelle nicht unangebracht.
Der Weg vom Rassismus zum Kulturalismus, bei Sarrazin Programm geworden und von Gauck verständnisvoll verteidigt, schon damals wurde er eingeschlagen. Das alles werden wir sicher in konzentrierter Form noch öfter hören: Syrien, Iran …
(Man kann Gaucks Rede natürlich auch ganz anders verstehen: als Rückfall in seine frühere Existenz als Kabarettist. Dann wären wir alle auf diese Realfortsetzung von „Neues aus der Anstalt“ hereingefallen. Wer weiß?)

PS: Zehn der von deutschen Kolonialtruppen erbeuteten Fahnen der chinesischen Aufständischen kehrten über 50 Jahre später in ihre Heimat zurück. Otto Grotewohl übergab sie 1955 Tschou En-Lai. Das ist eben der Unterschied.

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