Weihnachten: ein Blick von Unten

„Asyl-Chaos in Bethlehem – Flüchtlinge hausen auf Steuerkosten in Luxusherberge der Asylindustrie“ lautet die Überschrift eines derzeit im Internet kursierenden satirischen Weihnachtskrippenbildes.

Da sind sie alle versammelt: Maria und Josef als „Scheinasylantin“ und „Asylbetrüger“, die Weisen aus dem Morgenland als „Gutmenschen“ und „Drogendealer“, die Hirten als „Berufsdemonstranten“ und das Kind in der Krippe als „Ankerkind“.

Da hat jemand die Weihnachtsgeschichte genau gelesen und, natürlich satirisch, in unsere Zeit gestellt.

Wenn wir in den Evangelien des Neuen Testaments nachschauen, wie es um die Geburt Jesu und ihre Umstände bestellt war (Matthäus, Kapitel 1 und 2; Lukas, Kapitel 1 und 2 – Markus und Johannes verzichten auf eine Geburtserzählung) dann lesen wir dort nichts von Besinnlichkeit und Rückzug.

Sondern: schon im Stammbaum Jesu (Matthäus 1) finden wir außer seiner Mutter Mirjam drei weitere Frauen mit anrüchigem Ruf:
Tamar, die Schwiegertochter Judas und mehrfache Witwe, die ihr verweigertes Recht gegen ihre eigene Großfamilie nur mit dem Trick, sich als Prostituierte schwängern zu lassen, durchsetzen konnte (1. Mose 38) ;
die Hure Rahab aus Jericho, keine Jüdin (Josua 2) ;
die Moabiterin Ruth, die ihren Verwandten Boas nur unter Einsatz von Verführungskünsten dazu brachte, sie, die Witwe zu heiraten (und so zur Großmutter des Königs David wurde, vgl. das Buch Ruth).
Und schließlich Maria, vor der Hochzeit geschwängert – von wem, das wurde bald eine Glaubensfrage.

Deine Mutter…“ – das in dem uns heute wohlbekannten Unterton im Fall Jesu zu sagen, war nicht ganz ohne Grund.

Was seine Mutter aber sang, siehe unten, das klingt bis heute.

Beruht diese Ansammlung moralisch fragwürdiger Vorfahren Jesu, wie fromme Menschen glauben mögen, auf historischer Realität, dann ist dieser biblische Befund mindestens erstaunlich.

Ist er aber sogar (wie sicher anzunehmen ist) das Ergebnis bewußter literarischer Fiktion aus der Jesusbewegung zwei bis drei Generationen nach ihm, dann ist das um so aussagekräftiger. Schon die auf diese Weise überlieferte Vorgeschichte Jesu sprengt dann nach ihrem Willen die Moralvorstellungen der Zeit. Jesus, der später, noch radikaler, Seßhaftigkeit, Berufstätigkeit und Familienleben den Rücken kehrte und dasselbe von seinen Nachfolger_innen verlangte (Matthäus 8,22; 19,29), hatte schon in seinem Stammbaum Vorläufer für diese Art des Lebens.

Der künftige universale Friedenskönig: er kommt in der Familie eines Bauarbeiters aus Galiläa auf die Welt, wer auch immer nun der Vater sei. Allerdings nicht zu Hause in Nazareth, das wird er erst Jahre später kennenlernen.

Um seine Steuerlisten upzudaten und das Haushaltsdefizit des Imperiums in Richtung einer „schwarzen Null“ zu bringen, hat der ferne Weltkaiser Augustus in Rom befohlen, daß sich alle Familienoberhäupter des Reichs im Ort ihrer Sippenherkunft registrieren lassen (und bei der Gelegenheit die fälligen Steuern bezahlen).

Für die noch nicht so recht in legaler Form existierenden Familie Josefs ist das beschwerlicherweise Bethlehem, zwei bis drei Tagesreisen zu Fuß entfernt. Dort ist aufgrund des kaiserlichen Edikts und des Menschenauftriebs, den er veranlaßt hat, wegen Überfüllung alles geschlossen, „kein Raum in der Herberge“.

In einem seiner drei wundervollen Weihnachtsbilder aus den 1566/67 Jahren, „Die Volkszählung in Bethlehem“, schildert Pieter Brueghel d.Ä. diese Situation: Zahlen beim Eintrag in der Steuerliste, dichtes Gedränge vor der zur Behörde umfunktionierten flandrischen Gastwirtschaft. Auf den ersten Blick nicht erkennbar, eingeordnet in diese zwar außergewöhnliche, aber doch vom Alltag geprägte Situation: Josef mit der Säge über dem Rücken und dem Drillbohrer im Gürtel, den Strick des Esels in der Hand, auf dem Maria sitzt, der Ochse ist auch dabei. Spielende Kinder und geschäftige Menschen ringsumher. Inmitten des Orts ein verfallener Stall, über dessen Tür ein Kreuz zu sehen ist, ein bewußter Anachronismus.

Brueghel war nicht naiv. Er wußte natürlich, daß es in Palästina zur Zeit Jesu nicht aussah wie in einem verschneiten niederländischen Dorf. Sein Bild ist ein Vorgang bewußter, aktualisierender Aneignung einer scheinbar alten Geschichte für seine Gegenwart, ein Akt der Entmythologisierung des inhaltlichen Kerns der Weihnachtsgeschichte.

Das unverheiratete Paar mit seinem Kind in einer Übergangsunterkunft bekommt nach den Evangelien des Matthäus und des Lukas unerwarteten Besuch. Einerseits von „den Hirten auf dem Feld“, also denen, die, weil sie für eigene Tiere zu arm waren, die Tiere wohlhabenderer Mitbürger beaufsichtigten, Menschen am Rand des Existenzminimums. Der als Weltfriedensgarant universal gefeierte Kaiser „divus Augustus“, gottgleicher Schöpfer der „pax romana“, befiehlt Maßnahmen zur Sicherung seines Steueraufkommens – seine ihm völlig unbekannten sozialen Antipoden aber, die Hirten, erfahren am Rand der Durchführung des kaiserlichen Befehls als erste und nach Lukas in dieser Nacht einzige, dass der Frieden von unten kommt, aus dem Stall und nicht aus dem Palast, aus der Welt der Arbeit und nicht aus der Sphäre der politischen, religiösen und kulturellen Experten, Macher und Machthaber.

Seine Mutter hatte im Vorgefühl der Geburtsnacht ihres Sohnes schon vorher gesungen: „Gott stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen, die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.“ (Lukas 2, 52f). Ähnlich singen wir deshalb im AdventsliedO Heiland, aus der Erden spring!

Das Weihnachtsevangelium nach Lukas ist der Bericht einer universalen Umwälzung. Hier wird das Unterste zuoberst gekehrt. Gott kommt auf die Erde, wird wie wir: in der mythologischen Sprache der Zeit ist das nichts weniger als eine fundamental umwälzende, eine revolutionäre Aussage, nach der es kein sakrales Oben und kein zu duldendes Unten mehr geben kann in der Welt.

Das paßt den Oberen natürlich nicht, und das hat Konsequenzen.

Der zweite Besuch, berichtet bei Matthäus, stammt von „Magiern aus dem Osten“ (Mt 2, 1-12; erst spätere fromme Spekulation machte aus ihnen die „heiligen drei Könige“, von denen im Bibeltext nichts zu finden ist). Sie suchen den „neugeborenen König der Juden“, von den sie in einer bis dahin nie gesehenen Erscheinung am Sternenhimmel zu wissen glauben.
Wo suchen sie, die weltgewandten Experten, Wissenschaftler von internationalem Niveau, ihn zuerst? Natürlich im Palast der Hauptstadt Jerusalem, bei König Herodes. Dort, in den Zentren der Macht, werden Könige geboren.
Und damit setzen sie unwissentlich ein regelrechtes Massaker in Gang. Denn Herodes, aufgeschreckt von der Information, es gäbe da wohl einen rivalisierenden Thronprätendenten, benutzt die Weisen, um diesem auf die Spur zu kommen. Das schlägt fehl. Denn die Weisen erkennen, wenn auch zu spät, im neugeborenen Zimmermannssohn im Stall von Bethlehem, am unteren Rand allen Geschehens, den künftigen König gegen alle Könige.

Am unteren Rand allen Geschehens: so hat es Brueghel in einem anderen Gemälde zur Weihnacht dargestellt: in „Die Anbetung der Könige im Schnee“ muß man den Stall und die später so genannte „heilige Familie“ erst suchen, bevor man sie findet – am Rand. Das ist der Ort Gottes, und von ihm aus gesehen, vom Rand und von unten, erkennen wir unsere Welt aus seiner Perspektive.

Daß die Weisen aus Morgenland ihren Teil des deals mit Herodes nicht erfüllen, sondern entsprechend einer göttlichen Traumanweisung von Bethlehem verschwinden, ohne noch einmal im Palast in Jerusalem zu erscheinen, löst den „Kindermord von Bethlehem“ aus, wie ihn Brueghel in einem dritten Gemälde in seine Zeit versetzt, die Zeit des Aufstands der protestantischen niederländischen Provinzen gegen die katholische spanische Oberhoheit in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Alle unter dreijährigen Kinder in Bethlehem werden auf Befehl des Herodes im Interesse der inneren Sicherheit, der Aufrechterhaltung der Ordnung abgeschlachtet. Ein „Anti-Terror-Einsatz“, würde Herodes heute verlautbaren lassen.
Brueghel kannte solche Szenen aus eigenem Erleben: spanische Reiter in schwarzen Rüstungen und wallonische Jäger in roten Jacken plündern in seinem Bild ein niederländisches Dorf und töten dabei trotz flehentlicher Bitten der Eltern alle Kinder, die ihnen über den Weg laufen, schlagen alles kurz und klein.

Ohne Rücksicht auf alle frommen Gefühle, mit leidenschaftlichem Willen zur direkten Projektion seines durchaus sachgemäßen Verständnisses des biblischen Texts auf den eigenen Alltag versetzt Brueghel das blutige Geschehen von Matthäus 2,16-18 in die eigene Zeit und nimmt damit zu dem, was in ihr geschieht, eindeutig Stellung: der in Spanien residierende König, Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches“ – das ist der Herodes von heute!

Die „heilige Familie“ ist abwesend auf diesem Bild. Das ist seine Pointe. Das Bethlehem des Kindermors zeigt eine wirklich gottverlassene Welt. Das Kind konnte rechtzeitig gerettet werden, seine Eltern mit ihm fliehen – nach Ägypten, ausgerechnet, in das Land der Sklaverei, das allen Juden seit dem Exodus verhaßt war – auch hier die Umkehrung alles Überkommenen, Überlieferten.
Dort lebte es mit sein Eltern jahrelang im politischen Asyl – wie soll man das denn sonst nennen (vgl. Matthäus 2, 19 – 23)?

Die Geburtsgeschichten Jesu im Neuen Testament – apokryphe und koranische Parallelen stehen ihnen nuancierend und jeweils andere Schwerpunkte setzend zur Seite – stellen bei Matthäus und Lukas so etwas wie eine Ouvertüre ihrer jeweiligen Evangelien dar. Sie berichten, daß die Gruppen, deren je spezifisches Bekenntnis zu Jesus sie bewahren, seine Geburt als Beginn einer kosmischen Umwälzung verstanden, in der selbst das, was wir „Gott“ nennen, nicht blieb, was es bis dahin war und für viele noch heute ist: „Gott“ als Bezeichnung eines fernen, alles wissenden, beherrschenden, kontrollierenden, unangreifbaren, unwandelbaren, unserem Alltag und der Zeit enthobenen Wesens.

Damit ist seit Weihnachten Schluß. Der himmlische Thron eines Weltenherrschers ist seit Weihnachten leer und demzufolge auch danach nie mehr das, was sich interessierte Interpreten bis heute gerne unter einem allerobersten Garanten der Macht der Oberen vorstellen.

Betrachtet man die beiden Evangelien, ist klar: wer Gott als solchen obersten Machtgaranten sieht, verwechselt ihn mit Augustus, also mit dem Inbegriff politischer und staatlicher Macht damals.

Sachlich zu Recht hat Breughel das deshalb ganz anders dargestellt. Greifbar wird Gott an Weihnachten und seither am Rand, dort, wo Menschen zu Objekten höheren Orts getroffener Entscheidungen gemacht werden.

Gott, wie wir ihn von Weihnachten her kennen, steht im Mutterleib von Maria Schlange bei der Eintragung ins kaiserliche Steuerregister, kommt in einer Übergangsunterkunft auf die Welt, wird von den Ärmsten der Gesellschaft und von ganz Fremden zuerst erkannt und begrüßt. Allein schon das Gerücht von seiner Existenz führt zu einem Massaker seitens der Herrschenden – mit einem Gott als Garanten ihrer Macht hätten sie kein Problem gehabt und haben es bis heute nicht. Und Gott in Christus, wie wir ihn aus der Weihnachtsgeschichte kennen, entkommt dem Amoklauf der Mächtigen nur knapp, wird politischer Flüchtling im allen anständigen Menschen verhaßten Nachbarland.

Wenn wir uns heute die Aufgabe stellten, mit dieser Geschichte so umzugehen, sie so für unsere Zeit als Bild, Text, Klang zum Ausdruck zu bringen, wie das Pieter Breughel in seinen drei Weihnachtsbildern für seine Zeit gemacht hat, wenn wir also Breughel nicht nur passiv bewundern und bestaunen, sondern praktisch selber das machen wollen, was er tat – wie müßte das dann aussehen?

Wer ist der Augustus, der Herodes, hier und heute, wer wären die Hirten, die Weisen?
Wie sähe Bethlehem aus, wo läge Gottes Asylort Ägypten?

Wie auch immer das im Einzelnen wäre – eins steht schon im Neuen Testament, diesmal im Evangelium des Johannes: „Niemand hat Gott je gesehen – der Einziggeborene, der im Mutterschoß des Vaters ist, der hat ihn uns gezeigt.“ (1,28).

Was wir von Gott wissen können, sagt Johannes, das sehen wir an Jesus. Nicht mehr und nicht weniger. Was wir aber am Vorgang der Geburt Jesu von Nazareth sehen, das trägt die deutlichen Züge radikaler Herrschaftskritik. Gott, so kann man das zusammenfassen, der Gott der Weihnachtsgeschichte, ist uns erkennbar als angreifbares neugeborenes Kind auf der Flucht, ein Kind, für das es in seiner Welt keinen Platz gibt und erst nach Jahren seines Lebens an einem Zuhause ankommt.

Das stellt uns vor die Frage, wo wir Gottes Geburt in Jesus im Leben unserer Welt, unserer Gesellschaft, in unseren Orten und Gemeinden, in unserer Schule feiern wollen.

Im Versuch eines Gesprächs mit amtlich sogenannten „unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen“ an unserer Schule über die Bilder Breughels ist mir neu klar geworden, wie frisch und alltagscharf die Weihnachtsgeschichte heute ist. Als einer von ihnen, ein junger Flüchtling aus Eritrea, die Szene mit der Eintragung ins kaiserliche Steuerregister sah, kam es wie selbstverständlich: „Visum!“

Das stellt mich aus der Perspektive der grundsätzlichen Kritik an Augustus und Herodes – später kommt noch Pontius Pilatus dazu – auch vor die Frage, wie ich es mit den Herrschenden unserer Zeit halte.

Stimme ich in ihr Lied mit ein, in das neu anschwellende Kriegsgeheul, das tödliche Gehechel nach immer noch mehr Profit, sogenannter Sicherheit und Macht?

Heule ich mit den Wölfen das Fraßlied von der patriotischen Verteidigung des Abendlands gegen die angebliche „Islamisierung“?

Murmele ich etwas Unentschiedenes?

Halte ich mich stumm raus und ermögliche damit Krieg, Unterdrückung, Ausbeutung und Rassismus ohne meinen Widerspruch?

Oder singe ich mit Maria: „Gott stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen, die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen“ – und tue, auch im Vertrauen auf dieses Lied, was daraus folgt?

Wie auch immer: ich beantworte, wissentlich oder unwissentlich, gewollt oder ungewollt, diese Frage in jedem Moment, so oder so.

Ich finde es gut, daß wir jedes Jahr wenigstens einmal ausdrücklich wieder daran erinnert werden, vor welchen Alternativen wir täglich und stündlich stehen.

Mir und uns allen wünsche ich für die Weihnachtsbotschaft hörende Ohren und empfindsame Herzen, für das kommende Jahr offene Augen für den Blick auf die Welt von Unten, Mut, Verstand, Klarheit, Solidarität und die Kraft zur umfassenden Liebe auf der Spur des Kindes von Bethlehem.

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Dienstag, 28.10., 8 Uhr: Schlussakkord für Drohnenmord! Protest gegen die Eröffnung der Rüstungsmesse AirTec in Frankfurt

Das Frankfurter Anti-Drohnen-Bündnis aus gewerkschaftlichen, kirchlichen und linken Gruppen sowie regionale AktivistInnen der Gruppe lebenslaute rufen für den kommenden Dienstag, 28.10.2014 zu einer Protest-Mahnwache gegen die Eröffnung der Rüstungsmesse AirTec auf dem Gelände der Frankfurter Messe auf: Flugblatt der Lebenslaute Rhein-Main, Schlussakkord für Drohnenmord – gegen die Rüstungsmesse AirTec in Frankfurt am Main.
Alle AntimilitaristInnen und RüstungsgegnerInnen sind gebeten, zahlreich um 8 Uhr am Tor 9 der Frankfurter Messe, Philipp-Reis-Straße 9 (Lageplan AirTec 2014) zu erscheinen!

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Samstag, 4. Oktober, 12:00 Römerberg: FlashMob gegen Drohnenkrieg

Am morgigen Samstag soll auf dem Frankfurter Römerberg von 12:00 bis 12:30 Uhr ein flashmob gegen den zunehmenden Einsatz von Drohnen zur Überwachung, Kontrolle und Kriegsführung stattfinden. “Drachen statt Drohnen” lautet das Motto des globalen Aktionstags: KriegsgegnerInnen lassen an diesem Tag an vielen Orten Drachen steigen – in Afghanistan und Pakistan wird dies als ziviler Versuch eingesetzt, militärische Drohnen der USA und ihrer Verbündeten, auch der BRD, zu irritieren und sich so vor dem Tod aus der Luft zu schützen. Bringt Drachen, Papierflugzeuge, Transparente gegen den Drohnenkrieg mit und kommt morgen um 12:00 auf den Römerberg!

Aufruf:

4. Oktober 2014: Globaler Aktionstag „Drachen statt Drohnen“
Für eine Welt ohne Überwachungs- und Kampfdrohnen
#GlobalNoDrones / https://drohnen-kampagne.de/

Waffenhandwerk schafft nur Unheil“*

Am 4. Oktober finden in vielen Ländern der Erde, in der Bundesrepublik in etwa 20 Städten, Aktionen gegen den zunehmenden Einsatz unbemannter militärischer Flugkörper – Drohnen – statt.

In Pakistan und Afghanistan, in Somalia und Palästina – in praktisch allen bewaffneten Konflikten der Welt spielen Drohnen eine immer wichtigere Rolle. Sie sparen angeblich Geld, sie vermeiden angeblich noch mehr Tote und damit unangenehme Diskussionen in der kriegführenden Gesellschaft.
Sie töten mit angeblich „chirurgischer Präzision“ – was eine Propagandalüge ist: Tausende Tote als sogenannte „Kollateralschäden“ der neuen Art von Kriegführung klagen an.

Drohnen senken allerdings tatsächlich die Schwelle militärischen Eingreifens: in der Öffentlichkeit drohnenkriegsführender Staaten kann die außergesetzliche „gezielte Tötung“ mißliebiger Personen als Akt der “Selbstverteidigung” unterhalb der Schwelle eines Kriegs dargestellt, ja sogar weitgehend geheim gehalten werden.

Drohnen senken die Hemmschwelle zum Töten: ein Knopfdruck am Joystick in tausenden Kilometern Entfernung – Bilder am Computermonitor in Echtzeit: so wird aus Krieg fast so etwas wie ein Computerspiel. Nach der Arbeit können die Drohnenpiloten aus dem Einsatzraum in aller Ruhe zur Familie nach Hause zurückkehren, Abend für Abend.

Drohnen entgrenzen den Krieg: Überwachungseinsätze von Drohnen in Krisengebieten, entlang von Staatsgrenzen, gegen Flüchtlingsströme zB. auf dem Mittelmeer oder bei „inneren Unruhen“ könnten schnell auch zum Einsatz bewaffneter Drohnen zur Aufstandsbekämpfung oder Kriegsführung eskalieren – zukünftig vielleicht sogar in automatisierter Form.

In Deutschland bringen RüstungspolitikerInnen die künftige Produktion bewaffneter deutscher Drohnen in die Diskussion. Zeitgleich fordern Bundespräsident, Kanzlerin, Außenminister und Verteidigungsministerin „mehr Verantwortung”Deutschlands in der Welt und meinen damit ausdrücklich mehr militärisches Engagement. Dabei werden Drohnen eine große Rolle spielen.

Wir wollen das nicht. Wir wollen eine Welt, in der die riesigen technischen Möglichkeiten, über die Menschen heute verfügen, zu deren Nutzen, zur Erleichterung ihrer Arbeit und ihres Lebens eingesetzt werden – und nicht zu unserer Überwachung oder gar zu Krieg und Mord.

Am Dienstag, 28.10, werden wir uns deshalb ab 08:00 bis ca. 10:00 Uhr an Tor 9 der Frankfurter Messe (Philipp-Reis-Straße) an einer Mahnwache gegen die Messe „AirTec“ beteiligen. Dort werden auch militärische Drohnen ausgestellt sein – Mordwerkzeuge mitten in Frankfurt.

Dieses zynische Geschäft mit dem Tod lehnen wir ab!

Wir laden Sie / Euch ein: beteiligen Sie sich / beteiligt Euch an unserer Mahnwache – protestiert mit uns gegen die Zurschaustellung von Kriegs- und Überwachungsdrohnen auf der Messe Airtec!

*Georg Friedrich Händel, Oratorium „Das Alexanderfest“

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Korrektur

Heute wurde darüber informiert, daß an der Demonstration “Gegen jeden Antisemitismus” vom 4. August entgegen dem auf diesem Blog veröffentlichten Bericht kein Mitglied des Arbeiterbunds für den Wiederaufbau der KPD teilgenommen hat. Ein Aktivist der FDJ, der an der Demo teilnahm, wurde bedauerlicherweise für ein Mitglied des Arbeiterbunds gehalten.

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Interview zur Rolle des “Rechten Sektors” in der Ukraine und zur Unterstützung des ukrainischen Faschismus durch die BRD

Das folgende Interview in der “jungen Welt” (23.09.2014) geht von der Demonstration des “Rechten Sektors” auf dem Frankfurter Römerberg aus und interpretiert die Rolle des deutschen Imperialismus für den Faschismus in der Ukraine: “Gewissenlos faschistische Kräfte bedient” (Interview zur Demo des Rechten Sektors September 2014“, PDF).

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Neuanfang erforderlich

Thomas Eipeldauer hat in zwei Artikeln der jW vom 22.9.2014 auf die Selbstauflösungserklärung der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB) reagiert (Thomas Eipeldauer zu ALB und IL).
Seiner Zusammenfassung des Vorgangs und seiner These, wohin die Reise der “radikalen Linken” jetzt gehen wird, ist nicht viel hinzuzufügen. Es war nicht etwa nur der ALB, sondern weiten Teilen der antifaschistischen Bewegung in den vergangenen Jahren aufgrund immer wieder verschobener inhaltlicher Grundlagendebatten nicht mehr möglich, längerfristig zusammenzuarbeiten, ein kohärentes Konzept antifaschistischer Interventionen zu formulieren und auf seiner Basis breit zu verankern. Es hat nicht an praktischen, aber immer punktuell bleibenden Erfolgen gefehlt: so zB. die Beendigung des seinerzeit europaweit größten faschistischen Aufmarschs (Dresden 2010 und 2011). Das aber war zuwenig.
Das gilt auch für den Rhein-Main-Bereich, in dem sich im kleinen das von Eipeldauer beschrieben Szenario recht genau wiederfinden läßt (Anti-Nazi-Koordination Frankfurt, Antifaschistischer Ratschlag Rhein-Main): auf durchaus vorhandene politische Erfolge eines “breiten Bündnis” folgt die organisatorische Implosion, weil ein viel zu keiner Teil der AkivistInnen bereit war, vorhandene ideologische Meinungsverschiedenheiten offen zu diskutieren, aktiv Korridore der Verständigung zu finden, sie zu einem gemeinsamen Handlungskonzept zu formulieren und auf der Basis dieses Konzepts zu handeln.
Die “Eventisierung” der Antifa ist deshalb nicht nur kultureller Zeitgeist, sie ist auch Ergebnis unserer inneren Konflikt- und Diskussionsunfähigkeit als ihre AkteurInnen. Sie kam zum Ausdruck, wenn schließlich sogar gut definierte und sinnvolle Begriffe marxistischer Theoriebildung als nicht kompromissfähig abgelehnt wurden.
Der Gipfel dieses Prozesses in Frankfurt war das von “antinationalen” Teilen des Antifaschistischen Ratschlags eingebrachte Bedenken gegen den Slogan “Hoch die internationale Solidarität” als Überschrift eines Aufrufs zur Verhinderung eines Naziaufmarschs am 1. Mai 2013. Zum wenig guten Schluß lautete es dann, als sei man bei der Caritas oder dem Roten Kreuz und kenne keine Klassen mehr, sondern nur noch Menschen: “Für globale Solidarität“. Im selben Aufruf konnte auch von “Faschismus” (statt: “Nationalsozialismus”) nur noch mit Murren eines guten Teils der Aufrufenden die Rede sein – da lag im Grunde die Selbstauflösung als Antifa schon auf der Hand: wieso noch “Antifa” sein, wenn man “Faschismus” als unzureichenden Begriff betrachtet?

Eipeldauers Vermutung, kurzfristiger “Gewinner” der derzeitigen Antifa-Krise werde die Interventionistische Linke sein, sie also sei jene “postautonome Großorganisation“, von der in der ALB-Auflösungserklärung geraunt wird, ist ebenso zuzustimmen wie seiner Prognose, dort werde es bald dieselben Probleme geben. Mit Wahrscheinlichkeit ist es auch richtig, daß sich künftig Teile der IL immer stärker zur Partei DIE LINKE hingezogen fühlen werden – das aber bedeutet, sich in den absorbierenden Sog des Parlamentarismus und seiner kompromissarithmetischen Zwänge zu begeben, sich letztlich an den Führungen von SPD und GRÜNEN, also tragenden Teilen des imperialistischen Machtapparats der BRD zu orientieren. Mit ihrer Zustimmung zu Waffenlieferungen an die weitgehend vom Westen gesteuerte FSA in Syrien haben Teile der IL sehr schnell Positionen bezogen, die in der LINKEN bei deren rechten Parteiflügel angesiedelt sind: so gesehen bekommt der Name Interventionistische Linke eine völlig neue Bedeutung.

Was tatsächlich fehlt ist eine antifaschistische Bewegung, die klassenorientiert, antiimperialistisch und internationalistisch analysiert und handelt.
Denen, die sich eine inhaltliche “Außenposition” jenseits des eventorientierten Zeitgeists erarbeiten wollen, von der aus sie tatsächlich intervenierend in den Wahnsinn der imperialistischen Gesellschaft eingreifen können, bleibt kein anderer Weg als den zu gehen der im letzten Abschnitts dieses Beitrags schon formuliert wurde: “Erforderlich ist der Aufbau einer Struktur, die konsequent den Zusammenhang zwischen Kapitalismus, Krieg und Faschismus aufzeigt, in der von uns zu verteidigenden Tradition der Antifaschistischen Aktion seit 1932 steht und Kriegspropaganda, Militarismus und imperialistische Ideologie ablehnt und bekämpft. Der Kampf gegen reaktionäre Ideologien wird geführt, indem man die Solidarität und die Einheit der Ausgebeuteten fördert…  Es ist erforderlich in unseren eigenen Reihen für inhaltliche Klarheit zu sorgen, unsere Kräfte zu sammeln und auf dieser Basis verläßliche BündnispartnerInnen für Aktionen zu gewinnen.”

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“Slava Ukraini!” auf dem Römerberg

Propagandaplakat der UPA aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die kyrillischen Schriftbänder zeigen den Slogan "Slava Ukraini - heroyam slava!" (Ruhm der Ukraine - Ruhm ihren Helden).

Propagandaplakat der UPA aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die kyrillischen Schriftbänder zeigen den Slogan “Slava Ukraini – heroyam slava!” (Ruhm der Ukraine – Ruhm ihren Helden).

Wie von der recherechegruppe frankfurt einige Tage zuvor veröffentlicht trafen sich gestern die inzwischen stadtbekannten Vertreter des in Frankfurt ansässigen ukrainischen Faschistenmilieus um die Anführerin des Rechten Sektors vor Ort, Svitlana Golub, zu einer Kundgebung und Demonstration. Die etwa 100 DemonstrantInnen wurden entsprechend der Lage polizeilich eher schwach geschützt. Anwesend waren auch etwa 30 AntifaschistInnen, die die Demonstration des Rechten Sektors lautstark kommentierten.

RS

“Pravyj Sektor” (Rechter Sektor) in der Ukraine. Fahnen der UPA, Hakenkreuz am Helm, Glatzen, Hitlergruß, “Totenkopf”-Aufschrift auf dem T-Shirt. Noch Fragen?

Als die DemonstrantInnen des Rechten Sektors nach Absingen der ukrainischen Hymne und dem Schlachtruf  “Slava Ukraini – heroyam slava!” mit ihren Redebeiträgen beginnen wollten, wurden sie von Rufen “Ihr seid Faschisten!” und “Odessa war Faschistenmord – Kampf dem Faschismus an jedem Ort!” unterbrochen. Das provozierte einige derart, daß sie anfingen, sich mit den sie störenden AntifaschistInnen herumzuschubsen, was aber rasch unterbunden wurde. Auch später noch versuchten ukrainische DemonstrantInnen GegendemonstrantInnen während der Demonstration zu attackieren. In der Demonstration wurde die schwarz-rote Fahne der UPA, einer faschistischen Untergrundarmee nationalistischer Kollaborateure des Nazifaschismus getragen. Der Ruf “Slava Ukraini…” ist deren traditioneller Gruß.

Auf antifaschistischer Seite waren natürlich, weil praktisch keine Mobilisierung stattgefunden hatte, viel zu wenige Gegner des Rechten Sektors da. Das traditionelle antifaschistische Milieu Frankfurts war abwesend, was seiner seit Monaten gepflegten Haltung zum Faschismus in der Ukraine sowie den generellen Auflösungstendenzen in der Szene entspricht.

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